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EMILIE 2 INFINITY DAY, ROBERTs TAG (Pontifex mort Der Papst ist gestorben)
PROLOG Nach der Rückkehr aus Ber begriff ich, dass ich mir in all den Jahren, es war die Studentenzeit, einen Beisskorb umgebunden hatte, mit dem erklärten Ziel, so wenig wie möglich zu handeln, und ich hatte diese Vorsichtsmassmahme deswegen ergriffen, weil mir die Auswirkungen meiner Handlungen unpassend erschienen waren. Denn durch eine gewisse Nonchalance, diese Unbekümmertheit die sich aus Trotz und Unzufriedenheit speiste, gelang es mir immer wieder als Vorbild für meine Umgebung zu wirken, die sich daraufhin in Richtungen entwickelte, im Denken und im Handeln, die mir missfiel. Ich fand es zwar in Ordnung selbst allerlei Dummheiten zu machen, missbilligte diese aber bei anderen, um so mehr als dass die Auswirkungen ihrer Handlungen oftmals Grenzen überschritten, welche ich gerade nicht zu Überschreiten peinlich erpicht war. Mit einem Wort, man verstand mich nicht im geringsten, verstand vor allem nicht, dass meinen Verletzungen des Anstands aufgewogen wurden durch vielerlei Selbstbehinderungen, die bei anderen fehlten, sodass ihre Übertretungen oftmals zerstörerisch und fatal waren. Zum Studium war ich vielleicht deswegen angetreten mir, denn meine Umgebung sah das durchaus nicht so, zu beweisen, dass, wider alle Wahrscheinlichkeit, ich nicht total daneben lag in allen wichtigen menschlichen Belangen. Vor allem konnte ich nicht glauben, dass Menschen sich mit dieser Selbstverständlichkeit ständig verletzen und reizen konnten, ohne, wie mir schien, den Mechanismus dahinter zu durchschauen. Vermutlich sind gerade wegen der massenhaften Verbreitung solcher wahnwitzig abseitiger Fälle wie ich es war, deplaziert um es milde auszudrücken, auf den Hochschulen in neuester Zeit erneut Studiengebühren eingeführt worden. Ich war nicht geeignet für ein Studium. Nie war ich ein guter oder aufmerksamer Schüler. Die letzten Klassen des Gymnasiums habe ich mehr oder weniger wortwörtlich verschlafen. Manchesmal kam ich so müde in die erste Schulstunde, dass ich die Stirn auf meine hohle Hand stützte, die dadurch auch meine Augen bedeckte und während ich so vorgab in mein Heft zu starren mich noch einem unsteten Schlummer überliess, während meine über dem Papier schwebende stiftbewehrte Hand, um die Täuschung zu vervollständigen, in der Luft Schreibmanöver ausführte. Eine dieser in unserer Zeit so verbreiteten Paradoxien: Die Ausnahmen werden die Regel. Mit der Massuniversität gelangten viele solcher wenig optimalen Schüler zu einer höheren Bildung und viele schlossen sie sogar ab. Es leben die Antihelden! Trotz allem wurde ich manchmal durchaus geliebt, hielt mich aber immer für unliebenswürdig. Auch wurde ich oft genug eingeladen mitzumachen im akademischen Spiel, fühlte mich aber immer als Aussenstehender. Teilweise mochten mich dort auch die Mädchen, nur nicht die, die ich mir in den Kopf gesetzt hatte. Man meinte sogar, ich hätte Verstand, ich aber erschauderte im Stillen ob meiner Fehler. Mir fehlte schlicht der Realitätssinn. Kaum ein Wunder, ich spielte mich auch im sonstigen Leben leichtsinnig; mit meiner Liebe zu Familie und Freunden beispielsweise, indem ich, wie Mutter das genannt hatte, ungreifbar wurde, sogar für die engste Familie, ja, ich löste dermassen gründlich die vorgefundenen oder selbst geknüpften Bande, dass meine Umgebung schliesslich über meine Entwicklung staunte wie über das Erlebnis eines Fremden. Sowohl greifbar wurde meine Ausdünnung der gemeinsamen Ankerpunkte und Traditionen als ich immer seltener bei gesellschaftlichen Anlässen zugegen war, als auch unkörperlicher Natur, denn bei aller Familienliebe erkaltete unsere auf einander bezogene Ausdruckswelt der Gefühle, und obwohl sich nichts wirklich änderte an unserem engen Vertrauen und selbst unserer Zuneigung, zog ich mich doch immer mehr in die seit der Kindheit geübte und seither immer stärker werdende, eigenwillige Verweigerung der meisten an mich gerichteten Anträge zurück. Es stimmt wohl was gesagt wird, dass viele von uns ungefähr mit 30 Jahren wegen negativer Erfahrungen nicht mehr an die Liebe glauben und ihre Wahl künftig pragmatischer treffen. Ich jedenfalls begriff während des langen Aufwachsens immer mehr, es waren tatsächlich die üblichen Liebesenttäuschungen sowie genauso gewöhnliche Dramen der Abneigung, dass Hass, Selbsthass, Ressentiment aber auch Liebe einzelnen Menschen gegenüber eine nur begrenzt nützliche Wirkung in der Welt entfalten, mögen wir auch nach wie vor dazu neigen, in diesen Gefühlen die Würze und den Motor des Lebens zu sehen, ähnlich wie wir auch den Geschmackssinn wegen der Freuden den er uns bereitet ein Leben lang schätzen und beinahe vergessen, dass der profane Akt des Essens lediglich dazu dient unsere Körperfunktionen am laufen zu halten. Ausserdem fand ich, ein zweimal gebrochenes Herz reichte. Dennoch, diese meine Ansicht war weniger auf Einsichten gegründet als vielleicht mehr auf einem unwillkürlichen Entschluss, weil ich nämlich beschlossen hatte ein bequemer Mensch zu werden, der fernab des Gesellschaftlichen einem stillen Leben zustrebte und nicht verstehen wollte, dass ein Leben nicht bescheiden genug sein kann als dass man nicht trotzdem dafür arbeiten und sich anstrengen müsse, allein um es aufrecht zu erhalten, wenn man einmal der Geborgenheit der Kindheit entwachsen war. Viele wussten darüber schon in der Schule bescheid, so wie Mig, der damals über sein Peter-Pan Syndrom scherzte, damals konnte ich noch darüber lachen. Der Freundin mit der ich die erste längere Beziehung einging erklärte ich: Entweder gründe ich ein Familie oder ich werde Bewusstseinskrieger, also so eine Art Mönch; beides zu vereinen schien unstatthaft. Nur, erleichtert über meine dem Augenschein so widerspenstigen Theorien über Gefühle war ich erst, als ich die zu den Auswirkungen solcher tragischen Phänomene, wie sie die kleinen Geschichten und grossen Epen in endloser Zahl bevölkern, gehörigen Theorien las, in denen ein überraschend anderes Bild vom menschlichen Potential gezeichnet wird, welches ganz und gar dem gesunden Menschenverstand, den die kulturelle Spur in Aufwachsende fast zwangsweise einschreibt, wenn auch nicht gegensätzlich, so doch komplementär und andersartig ist. In der Tat musste ich erst von der Philosophie der vergangenen Jahrhunderte, zu dessen genauen Studium ich mich nie überwinden konnte, wenig verwunderlich also: enttäuscht werden, von dieser Kunst Macht und Herrschaft auf ewig aufrecht erhalten zu wollen, Stabilitätspakte zu fingieren und diese Banalität noch zu verabsolutieren sowie das Vulgäre zu feiern, bis ich, der Kapitulation nahe, nach Jahren des Studiums und dem Überfliegen schier endloser, träger philosophischer Landmassen, es musste, so schien mir, andere Probleme geben als die Sinnfrage, den Leib- Seele Dualismus oder gefinkelte moralische Zwickmühlen, am Horizont die befreiende Unendlichkeit von Wasserflächen zu Gesicht bekam, die mit einer von uns so ersehnten Sicherheit eines menschlichen verteidigten ´Ich Bin´, beziehungsweise ´Ich stehe´, auf festem Grund nämlich, nun endlich einmal nicht mehr viel zu tun hatte, sondern Fragen nach der Rolle der Majorität, der Gewohnheit, des Neuanfangs, des Stils und eben auch der Schiffahrt stellte, eine ganz andere als die rationale, eine erlebbare Unendlichkeit nämlich, sozusagen die Unbegrenztheit der Erdkugel, die ja in Wirklichkeit grösstenteils eine Wasserkugel ist. Wasser in Sicht! - wollte ich rufen, auch wenn es mir peinlich und beklemmend blieb, dieses nasse Element, auf dem immer mehr Waghalsige ihre Nussschalen umzubauen versuchten. Waghalsige oder aber Enttäuschungsfeste, denn auf dem Wasser gilt wenn, dann allein die Regel: Zunächst nichts besonders Menschengerechtes. Obwohl ich, beim Lesen der tatsächlich maritimen Romane mich fragte, warum denn die Soldaten und Matrosen Admiral Nelsons aus dem ausklingenden 18ten Jahrhundert nach Monaten auf See immer vergammeltes Fleisch essen mussten und nicht frischen Fisch, und Chips dazu, hmm! Also kein Wunder auch, bei dieser Beständigkeit, also Bodenständigkeit die uns eignet, dass man mit der verflüssigenden Botschaft so lange warten konnte und sich immer wieder aufs neue vertröstete, bis die Philosophie des 20ten Jahrhunderts unter grossen Anstrengungen endlich den Seegang wagen konnte. Und so scheint mir heute mein Satz, dass unter Menschen immer alles noch schwerer ist als erhofft, vermutet oder auch behauptet, vielleicht doch nicht zu weit hergeholt gewesen zu sein. Alles in allem weiss ich nicht ob dieser Wandel, diese in Erfüllung gegangene, irgendwie perverse Hoffnung auf Enttäuschung die unseren Zeiten als wichtiger theoretischer Anspruch innewohnt, nicht doch vielmehr ein Effekt der sogenannten anspruchsvollen Literatur, der Klassiker, war, die ich zur Studienzeit für die üblichen Abenteuerromane eintauschte und mir viel genauer vornahm als die eigentliche Philosophie, als die Auswirkung dieser selbst in ihren modernsten Versuchen. Alles relativ, wie der Volksmund so schön sagt. Es ist zu einfach, diesen Anker im Bodenlosen der sich mir schliesslich bot, als von Demokratie ermöglicht, durch den Ausgang aus den Totalitarismen mit ihrem Verherrlichen der Kriegsspiele, gar dem Ende des Gottesgerichts, zu beschreiben, gerade heute, wo wir anscheinend einsehen lernen, dass Demokratie durchaus, wie ein Gazeschleier, um die Staatsgebilde geschlungen werden kann, ohne dass wir, ihre Bürger, weniger als früher unter unseresgleichen zu leiden haben, nicht zuletzt weil wir, vielleicht ist es die sich fortsetzende Bedrückung aller durch alle die solches Desinteresse an der eigene Macht hervorruft, in zunehmenden masse müde werden zu wählen und das Vertrauen in uns selbst einfach nicht gewinnen können, denn was sind Politiker anderes als unsere eigenen, gebündelten Stimmen und Interessen, und wir deswegen en gros alten und neuen Mächten anheim fallen, wie zum Beispiel einem autoritären Kapitalismus, der schon deswegen funktionieren mag, weil es immer mehr Güter gibt, und die Chance auf ihren möglichst vollständigen Erwerb, so klein er für die meisten, selbst durch einen ergiebigen Lotto- Jackpot, auch sein mag, beständig wach gehalten wird. So wenig eine allgemeine Menschenliebe angeboren scheint, sowenig wie ein Verzicht auf den persönlichen Vorteil und die individuelle Entwicklung hier und jetzt, versuche ich doch einen Standpunkt zu halten der darin besteht mir vorzustellen, dass, mag ich auch in der schlechtesten aller möglichen Welten gelandet sein, so doch andere ein Recht auf eine Ersparnis meiner erlebten Malaise haben. Und war ich schon nicht gewillt meinen Teil zur Lichterblickung der nächsten Generation im Sinne der biologischen Reproduktion zu leisten, so wollte ich wenigsten am Aufbau einer unterstützenden Struktur für diese beteiligt sein. Denn ist es sich für mich nicht mehr ausgegangen so hätte es sich zumindest, der Möglichkeit nach, besser begeben können, hätten andere vor mir diesen Ankunftsort der Ekstasen freundlicher gestaltet und ein wenig mehr darauf geachtet, keine Realität zu schaffen in denen sich Menschen ihr bisschen mögliches Selbstgefühl oft genug nur aus der Zerstörung und Entwürdigung anderer oder auf deren Kosten verschaffen können. Denn was wissen wir schon, ob der Trieb zur Vernichtung eine unumgehbare Konstante des menschlichen Daseins darstellt. Ich wollte mich jedenfalls nicht mit der oft bemühten Erklärung zufrieden geben, dass die Ressourcenknappheit und die menschliche Sterblichkeit eben keine guten Grundlagen für rücksichtsvolles Handeln darstellen. Kein einfacher Wunsch, zugegeben, denn wie Georg ´Star Wars´ Lucas schon gesagt hat: Auch die schlechten, oder bösen Menschen halten sich für gut. Es mag deswegen vielleicht keine angeborene Menschenliebe geben aber wenigstens den mehr oder weniger, zumindest gesellschaftlich notwendigen, geheuchelten Wunsch danach. Und so verstand ich denn endlich warum man immer wieder aufs neue Versuche unternimmt alles so peinlich genau zu beschreiben. Weil die menschliche Erlebniswelt schier endlos ist und man nie genau sagen kann, bei welchem Köder man endlich anbeisst um den Wunsch in die Erfüllung überzuführen.
In Ber also wurde ich Zeuge eines Schicksals, ähnlich wie ich schon einige erlebt hatte, nur war ich diesmal nicht beteiligt und konnte mich deswegen beim besten Willen nicht verantwortlich fühlen. Ich kam in Ber an und das Drama war bereits in vollem Gange. Nebenbei gesagt war es nicht das einzige, und so fühlte ich mich nach kurzer Zeit wie ein Agent in Sachen Fernstenliebe. Meine Aufgabe bestand hauptsächlich darin zuzuhören und zu mutmassen, seltener getraute ich mir Fragen zu stellen die wie Ratschläge wirkten. Sehr verkürzt dargestellt verlor jemand ein bisschen von seinem gesunden Verstand und zwar während einer engen Freundschaft mit einer zweiten Person. Bei meinen bisherigen Erlebnissen war ich immer dieser Zweite gewesen, der hilflos seinen Freund in Wahnsinn und Depression abgleiten sah und nicht nur nicht helfen konnte, sondern sich auch deswegen schuldig fühlte weil er, irrtümlich oder nicht, vermutete, der Auslöser zu sein. Noch dazu kannten sich die Personen eines meiner Erlebnisse und des aktuellen Dramas, und so war es für mich nicht nur Erkenntnis, dass solche Dinge eben passieren können und niemand etwas dafür oder dagegen kann, sondern auch eine Entlastung, wenn das auch hier nicht zu erklären ist. Jedenfalls schien es mir wie ein Lehrstück, wie eine Absolution, die mich wie durch eine Erinnerung an die Unvermeidlichkeit der menschlichen Missgeschicke aufrüttelte und erneut mit dem Gedanken spielen liess, ob nicht doch Sprache und Wissen zur Entfaltung ihrer Wirkung des Handelns, gesehen als Schauspiel und Schöpfung, bedürften, und das auch erlaubt sei, das heisst: auch für mich erlaubt sei. Endlich hatte ich einen schönes Wort für Handeln gefunden: Schaffen, Schöpfen, damit konnte ich leben, und dann gab es neben Handeln noch die Beobachtung, und alles war sowieso Beobachtung, wollte man dem Philosophen Gilles Deleuze glauben. Deswegen blieb ich dennoch vorsichtig, der Handlungszwang war trotzdem auch weiterhin ein uraltes Vorurteil, genauso wie der Zwang zum Urteilen. Nicht umsonst wurden die neuesten Philosophien von allen Arten von Sprachtheorien durchzogen, Vorstellen und Reden waren die interessant gewordenen Phänomene und nicht mehr Handlungen und Urteile, die im Lichte der Sprache so übereilt erschienen, und seien es auch nur Sprechhandlungen. Erst kürzlich wagten einige überhaupt zu denken, dass Sprache sehr wahrscheinlich eine einzige Befehlsfunktion ist, mit dem Ziel, Handlungen bei anderen auszulösen, ein reines Machtmittel also. Elias Canetti lässt grüssen, oft genug, wenn ich auf seiner wiener Strassenbahnhausstrecke 38 in die Aussenbezirke unterwegs war und die vielen Touristen in die Heurigengegend begleitete versuchte ich mir auszumalen welches Publikum er wohl damals vorgefunden hatte, das Gesicht in eine Zeitung vergraben aber die Ohren gespitzt um mit einer Selbstverständlichkeit die ich niemals aufbringen konnte den Gesprächen der Fahrgäste zu lauschen. Wenn ich Französisch vernahm, meistens von jungen Frauen gesprochen, erfasste mich die Sehnsucht nach dieser Sprache, die zu lernen mich der Ergeiz nie verlassen hatte, doch am öftesten waren deutsche Dialekte zu hören die sich über die örtlichen Kulinaria ausliessen, was ich viel weniger fein fand, vielleicht auch weil ich jedes Wort verstand, die mich jedoch trotzdem an die berliner Zeit erinnerten, ja ich konnte ein bisschen Stolz nicht vor mir verhehlen, dass ich in dieser grossen Hauptstadt gelebt habe. Nach all diesen Erlebnissen fasste ich den eigentlich recht banalen Plan, meine Freunde durch Schauspiel für mich einzunehmen, durch aktives Handeln, durch Körperlichkeit und Sinnlichkeit, die mir so leicht von der Hand gehen, zu gerne würde ich eine weitere Assoziation freier Bürger vorbereiten, NGO- Aktivitäten, egal wie und was, nur innovativ, spannend und farbig und romantisch. Aber was ich vor hatte war so undefinierbar, dass es in keine Schublade passte. Eine wirtschaftlich-wissenschaftliche Disziplin zur Ausweitung der Edv- gestützten Tutorien, billiges Wohnen und darüber hinaus die Erforschung der Antigravitation; Oder etwas ähnliches; Oder auch ganz anders rum. Ich hatte keine genauen Vorstellungen , überhaupt galt innerer Haltung und Konzentration mein Hauptaugenmerk. Liesse sich das alles vereinen? Kraut und Rüben. Das Gebot der Stunde war, die Katastrophen- Besessenheit der Zivilisation, die Gier nach Katastrophen und ihre Heraufbeschwörungen wissenschaftlich zu untersuchen, wie es der Kulturtheoretiker Peter Sloterdijk vormachte. Der Pessimismus war als ein Effekt der unvermeidbar erscheinenden Dualität zu beschreiben, die sich folgendermassen manifestiert: Tausche das eine gegen das andere, welches dann nicht mehr fortbesteht. Also: Wenn die Gesellschaft schlecht ist wird sie der Zorn Gottes vernichten. Oder eben die Katastrophe und das sei auch gerecht. Bravo. Wenn ich jemanden den Finger reiche, nimmt er die ganze Hand. Toll. Eher als an Binsenweisheiten war mir an Nachbarschaften gelegen, mit Gilles Deleuze gesprochen galt für mich: Baue daneben, darunter, oder auch darüber. Anders gesagt: Nicht verändern sondern verlängern. Behutsam musste man sich beispielsweise mit der Tatsache aussöhnen, dass soziale Gruppen durch allgemeine Selbstverunsicherung eine Innenspannung aufbauten die das Gefühl für ihre Zusammengehörigkeit förderte. Ich verstand allmählich warum, gäbe es nicht Schlagzeilen wie: Prognosen für das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr müssen nach unten korrigiert werden, - man sie erfinden müsste.
BEBE
Doch die meiste Zeit des aktiven Lebens vergeht während man sich ablenkt, erholt und stärkt. In der Kassahalle am Bahnhof Mitte, an den Telefonblock nahe der Trafik gelehnt, geniesse ich den kleinen Angebotsespresso in der Rechten, die Eistüte in der Linken, beides gerade bei McDonald´s geholt, zum Glück hat diesmal die Eismaschine funktioniert, denn letztes Mal ist sie der Bedienung unter der Hand explodiert und hat sie verbrüht - hm, weisse Nahrung, denke ich, das sagt zumindest Karin: Die Schwarzen nennen die pommes frites wirklich so! - Und während ich dort müssig herumstehe halte ich die Hände seitlich in Kopfhöhe erhoben und angewinkelt, es wirkt wie eine kulinarische Zurschaustellung, und blicke rein zufällig und verträumt in Richtung S-Bahn Treppe, denke: Das erste Mal überhaupt, dass ich mich dort zum Geniessen platziert habe, es muss wohl mein Clochard- Werden sein, Sandler mit Diplom, das war früher mein Traum, ich mache es absichtlich, es ist eine Solidarisierung mit dem Strassentheater, wie ich die Nomaden auf den Strassen auch nenne, diese Mangeldachlosen. Kommt sie mit einem Mal aus dem S-Bahn-Aufgang direkt auf mich zu, schwarze Haare, schwarzer Mantel, zwischen uns befindet sich eine kleine Traube Menschen, wir schauen uns einen Augenblick lang aus einer Entfernung von nicht ganz zwei Meter in die Augen, sie schwenkt nach rechts zum Ausgang, ich erkenne sie in dem Moment in welchem sich unsere Blicke kreuzen doch geht alles so plötzlich und schnell, dass ich mich nicht sofort an ihren Namen erinnern kann. Sogleich stosse ich mich von dieser soliden Telefon- Fahrscheinautomaten- Ecke ab und versuche ihren Arm irgendwie mit einem Ellbogen zu packen. Wir berühren uns bevor wir miteinander sprechen, schon ist mir ihr Name eingefallen und aus etwas wie Scham, ihn nicht sofort parat gehabt zu haben, produziere ich spontan einen Kosenamen: "Bebe, hey!", - sie schwenkt schon wieder zurück zu mir, ein breites Lächeln erscheint auf ihrem vorher ausdruckslosen, ein wenig müden Gesicht. - "Dabei habe ich dich gesehen", oder so ähnlich antwortet sie und schüttelt dazu den Kopf wie in Verwunderung, während ich sie schon voller Entzückung betrachte, logisch, ich bin unrasiert, ungewaschen, und beginne mich langsam um meinen Aufzug zu sorgen. Aber es ist Bebe, kein Zweifel, die unwahrscheinlichste Frau im Universum, zumindest in meinen Augen, doch ihr Auftauchen hier ist im nachhinein betrachtet weniger unwahrscheinlich, da ihre Freundin in der Nähe wohnt. Sie ist trotz des 4 - Jahresabstandes, als wir uns das letzte mal als Arbeitskollegen gesehen haben, ein wahrlich vertrauter Anblick, noch fraulicher, noch schöner, noch mehr schwarze Plomben bemerke ich, denn sie lacht wie immer breit und mit zurückgelegtem Kopf. Erst einige Tage zuvor, unter dem starken Eindruck Vis, habe ich mich veräppelt, anscheinend nur auf helle Frauen zu stehen. Sie ist das beste Gegenmittel gegen meine zwiespältige Verliebtheit, so mongolisch dunkel mit ihrem rabenschwarzem Haar und den dunkelbraunen Augen wie Vi nordisch hell ist, blond und helläugig. Die ganze darauf folgende Woche über denke ich nicht mehr an Vi, sondern schreibe Bebe eine SMS-Fortkurzgeschichte, die Geschichte, die ich vor drei Jahren über sie und die Mädelsgruppe verfasst habe. Denn unsicher in welches Medium ich ihr, einer durch und durch analogen Frau ohne Computer, die Geschichte verpacken sollte dachte ich an SMS, und tatsächlich hat sie noch am selben Tag, ohne dass ich sie fragen musste ihr SMS- OK gegeben (Wie schrieb sie: sms ist ok). Vielleicht war es die Stärke unserer Seelenverwandtschaft, vielleicht die Stärke meiner Gedanken an sie, dass wir nicht nur wieder aneinander geraten waren sondern dass sie auch beinahe unverhohlen und freimütig, als ob es das natürlichste der Welt wäre, auf meine unausgesprochenen Gedanken reagierte, mit einem Humor den ich in dieser schwierigen Angelegenheit meiner uneingestandenen telepatischen Fähigkeiten als so etwas wie ein Gedankensender, oder als Irrer, wie man es auch betrachten konnte, dringend brauchte, konnte ich mich doch mit so gut wie niemanden darüber austauschen oder hoffen damit bei irgendwem auf Verständnis zu stossen. Nicht, dass ich mit ihr darüber reden konnte, oder wollte, aber es genügte wenn wir wie heimliche Verschwörer lachten, wenn es mal wieder passierte, und es passierte oft in diesen Tagen unseres unverhofften Wiedersehens, es war, als ob ich ein offenes Buch für sie wäre und deswegen meine an sie gerichteten Worte keinen erklärenden Charakter haben konnten sondern lediglich bestätigten was sie schon im voraus wusste. Endlich war sie mir also in die Arme gelaufen, wie um sich ihre Geschichte abzuholen, schliesslich war es ihre und nicht die der anderen Mädels, welche mir diese Story mehr als widerwillig, höchstens im Notfall, ich sah es an ihren gelangweilten Gesichtern, abgenommen hätten, denn die anderen jungen Mädchen traf ich, auch immer zufällig, öfters als Bebe, die schon vor einigen Jahren erneut Salzburgerin geworden war. Ja, Bebe: Sie ist wie das Versprechen eines Landes, in dem Coffee und Icecreme fliesst. - Ja, nun also, - sage ich: da wir uns endlich wieder mal über den Weg gelaufen sind, sollten wir uns nicht zusammenrufen und ein bisschen zum Quatschen treffen, würdest du, hm? - Warum reden wir nicht gleich jetzt ein wenig?, fragt sie zurück. - Ok! - So plaudern wir bei einem sehr grossen Milchkaffee, sie kommt aus der Berufsschule und die ganze Zeit als wir ins Cafe hinüber die Busstrasse querten hing ihr Blick an meinem Eis, wie sie nach dem niedersetzen gutgelaunt gestand. Wir lachen viel während wir unsere Neuigkeiten austauschen, ein Freund taucht plötzlich auf stöbert in den Büchern des uns umgebenden Buchgrosshändlers, wie ich im Gespräch mit ihr bemerke, er interessiert sich aber nicht für uns, und so lassen wir uns nicht stören bei unserer fröhlichen gegenseitigen Auffüllung der Lücke der letzten Jahre, und auch seine Anwesenheit schreibe ich den vielen subtilen Wegen unausgeloteter, nichtsprachlicher menschlicher Kommunikation zu, ganz als wäre er ein Zeuge unserer zufälligen Begegnung. [Gespräch, Auslachen beim Scheiden in der Arbeit, ihre Ausbildung] Wir verabreden uns schliesslich für die nächsten Tage, solange sie noch da ist, einige kurze Wochen sind es noch, denn dann ist ihr Kurs vorbei und sie muss zurück nach Salzburg.
Diese Tage tragen mir alle einen neuen Wind zu, irgendwas ist im entstehen. Vielleicht ist es nur das Neujahr mit seinen erneuten Verwirrungen, mit den gedankenversengenden Sonnenstrahlen, die den Sommer ankündigen? Ihr gefiel meine Geschichte über sie, sie sagte später dazu: Das ist schön, es las sich wie eine lustige Geschichte, in welcher man selbst die Hauptrolle spielt. - Nun war das vielleicht eine voreingenommene Meinung, aber es war eine positive Meinung, es war eine vorbehaltlos geäusserte Zustimmung zu meinem Schreiben. Denn als ich diese kurze Story vor Jahren einmal I zum lesen gab sagte sie: So nicht! - Nun wusste ich, dass I nicht gefiel, dass sie darin nicht vorkam, dennoch legte ich, mein Zunder war verbraucht, die sehr kurze Geschichte jahrelang zur Seite, und träumte davon sie den weiblichen Protagonisten vorzulegen, den Hauptdarstellerinnen, der jungen so bunten Schar Mädchen aus der Umgebung der Steinerschule. Nur war das nicht so einfach, nicht weil wir uns aus den Augen verloren hatten, denn ein Teil der Mädels war in Wien und ich stolperte immer wieder über sie, Jana sah ich am öftesten, wie immer lachte sie über meine bewundernden Blicke für ihre filigranen, wie spitzen Formen, das schmale Gesicht unter der Kapuze ihres Tarnanzugssweaters, und wie immer gab sie mir mit lachender, leicht angewiderter Miene Auskunft über die anderen Mädchen und ihre Freunde, ja, die macht das und das, nein, ich bin nicht mehr mit Sim zusammen sondern mit einem anderen, das erfuhr ich, als ich sie einmal mit Marcus recht nahe vom Bahnhof traf, wo ich gerade eben Bebe wieder aufgefunden hatte. Coeli begegnete ich vor der Akademie und wir tauschten Nummern aus, wir waren immerhin Freunde geworden, viele Jahre zuvor, doch sie blieb reserviert, schliesslich war ich bald darauf weg gewesen damals, kurz nachdem das Eis zwischen uns gebrochen war, wenn sie in Ber ist soll sie mal anrufen, bat ich sie, ich wohnte gerade dort, aber sie meldete sich nicht und als ich anrief, ich war mittlerweile wieder im Lande, war sie gerade wieder in Ber, ich vergass irgendwann, dass ich sie wieder anrufen wollte. Um der Wahrheit Ehre zu geben hatte ich auch ein wenig zu viel Respekt und Scham. Sie brauchten mich nicht, alles lief, so weit ich mir einen Überblick über den Verlauf ihrer Lebenslinien verschaffen konnte, prächtig, und ich wollte nicht meine kurze Geschichte über sie erwähnen, oder besser gesagt anbieten, erwähnt habe ich sie, und zwar weil ich fürchtete, zusätzlich zu ihren gelangweilten Gesichtern, mir auch noch den Vorwurf der Selbstüberschätzung einzuhandeln. Nein, es war schon Bebe vonnöten, damit ich endlich zum Ziel kam, die Story am richtigen Ort deponieren konnte, bei meiner unvergleichlichen Mitspielerin daselbst. Ihr Lob jedenfalls und ihre Akzeptanz förderten meine Selbstüberschätzung, die sowieso schon, wenn auch nur einen Augenblick lang, danach strebte programmatisch zu werden. Ich wurde zunehmend lockerer, und ging bald darauf noch mehr Risiken ein. Das heisst im Grunde auch, dass ich anfing, weitere beliebige Abenteuer niederzuschreiben.
PERFORMANZ
Zu den schrecklichsten Prüfungen gehören für mich die Handgreiflichkeiten. Werde ich allein gelassen, gerate ich leicht an die Grenze zur Gemeingefährlichkeit. Ich war auf einem der seltenen Besuche bei Marcus, nachdem wir uns tags zuvor mit Petrus bei mir getroffen hatten, wir arbeiteten aber nicht mehr wie besessen an Retron, dem old-skool-3D Egojumper-Spiel, sondern designten unsere Homepage, und halb sagte er es, halb entlockte ich ihm, dass er sich da Medizin von Petrus geholt hatte, welcher sich in Rekonvaleszenz befindet. Nun ist Marcus vielleicht Ein Wenig Alkohlkrank, so viel etwa wie ein Philosoph namens Heidegger eine zeitlang Ein Wenig Nazi war, das heisst nie dem ganzen so recht vertrauend, doch mir ging das gegen den Strich, es widerte mich an Medizin zu missbrauchen, diese Pulver, diese süssen Pulverchen, uh, all die künstlichen Mittelchen, und gleichfalls, dass ich das mitbekomme, da sie sich bei mir getroffen hatten, die beiden Zudröner. Seltsame Spiegeln, die beiden, bei ihrem verspäteten Zusammentreffen, - hatte ich das Gefühl. Jedenfalls wollte ich es ´zurückhaben´, d.h. ich wollte das Ganze rückgängig machen, es ihm abkaufen, es fortgeben, in die Apotheke, ins Klo damit. Karin unterstützte mein Begehr, sie herrschte ihn an, mit einem resignativen Auflacher: Ungefährlich?!!! Du glaubst tatsächlich, damit könne man einfach so umgehen, ohne ärztliche Aufsicht! - Er liess nicht mit sich handeln: Bist du verrüückt, ich geb´s nicht her! - Langsam wurde ich streitlustig: Gib her, oder ich nehme es dir ab! - Ich stand auf, ah, ein seltener Moment des Kampfes, soo selten, ballte die Fäuste, tänzelte vor ihren Augen, viel ist hier in letzter Zeit von Kampfkünsten gesprochen worden, na gut dann schaut´s, ich mime mal den Boxer, ihr vom Kampf uninspirierten Beiden, -über den kleinen, neu posierten Küchentisch hinweg: Du glaubst nicht? - Peng!, weich auf den Bizeps mit der Rechten, ein leichter Hacken, er schaut nur ein wenig verdutzt, befindet es gar nicht wert darauf zu reagieren, alsdann, ich dosiere den nächsten Schlag, ziele sehr genau, ein wenig fester, auf die Schläfe von links, Marcus schaut mit erstauntem Gesicht doch schon in der selben Sekunde als der Schlag sitzt fährt seine ganze lange Gestalt über dem Tisch aus, doch seiner knapp am Körper hochfahrenden Faust weiche ich mittels eines zurückbeugenden Biegen des Kreuzes leicht aus, das Kinn gesenkt, ich sehe alles, er fällt schon wieder auf den Sessel zurück, ich tänzle noch ein paar Schritte von ihnen weg, Karin beobachtet weiter stumm, interessiert, - Daneben! Wie langsam du bist! Na was ist!, - reize ich weiter den Kampfaffen in uns, er schaut diesmal ernst und als er hinter dem Tisch hinter ihr hervorkommt, sie sitzt mehr in der Luft inmitten von allem, an der küchenmittigsten Tischecke, baut sich seine Grösse zu einer Bedrohung für mich auf wie mein Kleinhirn registriert, doch es ist Schaustellzeit, wir haben eine Zuschauerin und ich nehme, ihn nicht aus den Augen lassend, blitzschnell meinen Sessel auf, hebe ihn hoch vor und über mich und plane ihm das ganze in die Seite, schön tief zielen, zu rammen, weniger weil ich es wirklich will, sondern da die Waffe aussondiert gehört, und schon schreit Karin uns in aller Lautstärke an, sie brüllt könnte man sagen, wenn ihre Stimme tiefer gewesen wäre, so ist es eher ein Kreischen, und flugs nimmt sie mit mir gemeinsam den Sessel ab, ich lammfromm, nur keine Verlegenheiten jetzt, entschuldige mich, ich bin trotzdem, obwohl ich das alles kühlen Blutes begonnen habe von mir entsetzt, und setze mich gleich wieder drauf, an den Tisch, halte die Backe hin, zeige drauf: ok, Blödsinn, komm Marcus, schlag mich, aber bitte nicht so dass die Zähne wackeln, schlag mich fest, damit es wieder geht, damit ich dich nicht verletzt habe. - Ich habe vernommen, Schläge ins Gesicht sind eine besondere Schande, vor allem unter Moslems, und so gut kenne ich ihn schliesslich auch wieder nicht. Er winkt ab, schaut weg, beleidigt, beschwörend, den Blödsinn zu lassen, lacht schon beinahe wieder. Doch Karin bittet mich raus, bittet mich sehr laut raus, sie kann mich nicht mehr sehen, und als ich anfing damit, Fäuste schwingend vor ihnen, dachte ich kurz, noch zusätzlich zu dieser ganzen traurigen Geschichte: Na bitte, gleichzeitig werde ich mich dadurch vor Karin unmöglich machen, unsere enge, faule beinahe in ihrer Untätigkeit, angestrebte Beziehung mal kurz ein bisschen verunmöglichen, verzögern, na wie toll. - Als ob sie psychische Betreuung nicht genug zu spenden hätte im Nachtdienst, wir haben sie mit unserem Geschrei aufgeweckt, ganz verschlafen kam sie in die Küche, ich staunte über ihre Unterwäsche, was waren das für komisch herausstehende Verschlüsse unter ihrem weissen Unterhemd, sie setzte einen Tee auf, und jetzt das, mittlerweile war sie ´eh schon´ wach geworden, wie sie sich auszudrücken pflegte. Und im Gehen begriffen schreie ich auf dem Gang weiter, Marcus direkt ins Ohr, der mich anfängt zu schieben: Du willst Blut sehen!? - und bin in die Betrachtung dieser quadratischen Farbkunst hinter Glas versunken, direkt neben der Küchentür hängt der Glasrahmen, entzückend die Wasserfarben, oder was?, und - Willst DU? - schreiend schlage ich schon ein, mit der erhobenen Rechten, abgewinkelt kurzdistanzig, mit genau der richtigen Stärke doch schief, ich treffe mit der Wurzel des kleinen Fingers auf, wie ich später merke, Au, und das Glas wandelt sich in eine brechende Spirale, ganz in der Mitte ist das Splitterzentrum, ganz schmal, leicht gebogen wie Sarazenenschwerter die einzelnen Slices, die dünnen Stücke, und sie fallen nach einem Moment, glitzernd wie Schneewehen, mit einem Kristallprasseln, zu Boden. Wow! - schau ich blute gar nicht - denke ich noch vergnügt so gut vor der Leinwand abgestoppt zu haben, und dazu verletzungsfrei, hebe die Hand wie unters Licht vor meine Augen und schon sprudelt es aus zwei Quellen frisch und klar, auch der Mittelfinger am ersten Gelenk hatte was abbekommen, und schon trägt mich Marcus mehr als dass er mich vorwärtsschiebt, ich bin ganz entspannt und ruhig, geniesse diesen neuerlichen Ausbruch, und er wirft mich einfach mitsamt sich zu Boden, es wirkt auf mich, als ob wir uns lediglich aus der Vertikalen schwebend in der Horizontalen eingefunden hätten, und ich wiederhole immer wieder: Ganz ruhig, Marcus, hey, ich bin ganz ruhig, es ist ein Spiel, eine Performanz! - Komm, raus mit dir, - gar nicht unfreundlich, liebevoll besorgt: Raus, weg von hier, wegen Karin, schnell, los, - Er wohnt ja in der WG - und redet gar nicht so viel sondern befördert mich am Kragen, hurtig, den ganzen langen Weg die Stöcke hinunter, und in diesem geräumigen Treppenhaus flüstere ich: Marcus, lass mich los, ich renne ja, aber wenn uns jemand sieht, Marcus, wie schaut das aus? - Er, aus dem Haustor raus: Los ums Eck, Karin hat geschrien sie ruft die Bulln, ganz ruhig, komm. - Er dramatisierte, es war eher Krankenbetreuung, die ihr am Herzen lag, - Ok, gemma, da, hey, ich habe den Rucksack, und das Sackerl, du weiss welche Farbe vergessen (Bücher, Bücher, Alben, Esskram), ich brauchs, bitte hol es, kannst du?, - Er: Zu Karin rauf? .. Ok, und du wartest da, ok?, - Ja, da am Eck, bitte! - Lange bleibt er, spricht mit ihr, sodass ich schon anfange, dass sie versuchen werden, sich an meinen Sachen schadlos zu halten, insgeheim werde ich Marcus verdächtigen, sich wenigstens den Competition Pro revival deluxe mit roter Geschenkskokarde geschnappt zu haben, jedenfalls bis ich ihn wiederfinde, tags drauf. Ach, dieses angelernte Misstrauen! Als er zurückkommt gerate ich ins Schwärmen, auch um seine Verwirrung zu verscheuchen: Schau Marcus, es ist wie in Clockwork Orange: Sie haben mich gegen Gewalt konditioniert, aber die Music hat mich gerettet, - denke an Bach, vielleicht Schuhmann und Tschaikowski, um es mit meiner Playlist zu belegen, - Beethoven, - sagt Marcus: Ludwig van, - und schaut in Messestimmung, von unten aufwärts. Ich lache, ein Lied vom Soundtreck zum Film habe ich. Ach diese Gedanken, ich denke, und Marcus lenkte, korrigierte meine schamhaften gewissenhaften Gedanken nach unten, der Realität entgegen, selbst in diesem erregenden Moment muss ich an die Telepathie denken, denn Marcus ist wie Bebe einer, der unbekümmert auf meine Gedanken zu antworten imstande ist, und wieder schäme ich mich, schäme mich wegen des Vorfalls aber auch deswegen, dass meine Gedanken nicht länger mein eigenes Geheimnis sind, das Geburtsrecht jedes Menschen auf seine Privatsphäre, sondern so offen unverhüllt auf einem Präsentierteller liegen wie ein Ferkel mit Apfel im Mund auf einem Silbertablett. Ein Bild das jedem TV- Konsumenten vertraut sein müsste.
Im Grunde hat mir diese vermaledeite Performanz nur erneut bestätigt, was ich mir an meinen kaputten Fingern schon selbst hätte ablesen können. Dass ich geworden bin wie ich war, ein kultureller Imperativ, und es anscheinend auch genoss: Ein Krieger, ein Killer; und tatsächlich meistens kaltblütig. Noch in tiefer Trauer, mit tränenverhangenem Gesicht, kann ich im Nahkampf siegen, ohne dass, aufwärmen vorausgesetzt, mein Pulsschlag sich signifikant verschnellert. Ich wurde letztlich, was sich meine slawische Mutterkultur wünschte, eine Ressentiment -Maschine, frei und glücklich zwar, aber bestimmt zu rächen, den Krieg, die eigenen Toten, den Schmerz und was noch dazugehört. Und da meine zweite Heimat den gleichen Wunsch hegte, könnte ich sogar auf beiden Seiten gleichzeitig morden. Ich bin der Spion, der Doppelagent, das Werkzeug Das-Nicht-Da-Und-Nicht-Dort-Ist (Frank Herbert Sprache), oder besser gesagt: das war noch das beste, was ich in die mir zugedachte Rolle als Staatenbürger, wie sie mir aus dem reich gewebten Gespinst des Sozialen zuflog, noch mit einbringen konnte. Doch zum Glück verfügt Kultur ja über diese vielen, auch neueren, Regulative und Heilmittelchen, ist im Ganzen sehr friedlich und schickte sich an, seine Krieger früh zu pensionieren. Lauter reservierte Fernseher, Arbeitslose, Künstler und Sandler. Eigentlich bin ich nicht gegen Krieg weil dabei Menschen sterben und unaussprechliche Grausamkeiten und Qualen damit verbunden sind. So gross ein Kriegselend auch sein mag ist es doch zeitlich begrenzt, punktuell, und irgendwann wieder vorbei. Nein, was mir jeden Krieg so verhasst macht ist, dass die psychischen Verletzungen tendenziell gegen unendlich gehen, dass Generation um Generation davon geprägt, und die zwischenmenschliche Atmosphäre auf undenkliche Zeit davon in Mitleidenschaft gezogen wird. Fünfzig Jahre und zwei Generationen danach leben wir Kindeskinder noch immer die Qualen unsrer Grosseltern weiter, ohne absehbares Ende. Man mag die Gewaltbereitschaft auf die menschliche Natur schieben, auf die Grausamkeit der Natur, für mich war sie nur Folge der ersten und jeder nachfolgenden menschlichen Gewalttat, wann auch immer diese begangen wurden, von mir aus im trojanischen Krieg, doch weit davon entfernt sie als Erbsünde zu betrachten folgerte ich die Gewalttätigkeit einfach aus dem unmenschlich zähen Elefantengedächtnis der Kultur und ihrer erst einmal und dann unwiderruflich immer wieder verletzten Individuen. Wie sonst sollte man sich erklären, dass meine Generation noch immer in diesem imaginären Kriegsgreuel lebt, für die sie, ohne deswegen besser zu sein, nichts kann und die sie nicht erlebt hat. Die Gewaltspirale ohne Ende, nein, ich bin nicht gewillt das ohne weiteres nur auf unser tierisches Erbe zu schieben, mögen auch alle Evidenzen seit Anbeginn der Menschen dafür sprechen, ich will, und sei es nur aus Widerspruchsgeist gegen die gleichfalls seit Beginn der Zeiten monoton wiederholte Satzung von dem Kampfwillen der Natur wie sie in den Tieren beispielhaft wirkt, als ob wir zu beschränkt wären um uns nach Tausenden von Jahren ein neues Ammenmärchen vom Löwenmut auszudenken, will ich denn sagen, es ist nur das kulturelle Erbe von gierigen und machthungrigen Kulturen, Stämmen und Reichen, keineswegs in den Genen verankert, sondern in den Memen, den kollektiven und individuellen Gedächtnissen und Gehirnen der von ihresgleichen ohne Ende geschundenen Menschen, die bis auf den heutigen Tag ausserstande sind, das an ihnen und ihren Vorfahren begangene Unrecht zu vergessen. Hat nicht erst der zweite Weltkrieg so etwas wie das Denken einer Kriegsschuld ausgelöst wo früher die Feindschaft als etwas sozusagen Gottgegebenes hingenommen wurde, und der Sieger immer recht hatte? Hat es nicht den Vietnamkrieg erfordert, und die Psychoanalyse, um endlich auf den so undenkbaren Gedanken zu kommen, dass Kriegsopfer unfähig, gänzlich unfähig sind, ihr Leid zu vergessen, dass sie, und seien sie Erwachsene, wie missbrauchte Kinder ihr Leben lang geschädigt bleiben, ja Gestörte, Wahnsinnige, Verrückte und durch und durch Kranke sind und bleiben und dass in Folge ihre Kinder von ihnen krank gemacht werden, und ihre Enkel und es immer so weiter geht? Werden nicht heute noch die Widerstandskämpfer und Deserteure von ihren Nationen verschwiegen und verunglimpft, als ob der Krieg, mag er noch so grausam und brutal geführt worden sein, die Norm wäre, und nicht der Widerstand dagegen, sei er auch noch so vereinzelt und hoffnungslos?
Ich bin eigentlich der grösste unbewusste Lügner, dabei will ich eigentlich ganz bewusst sein. Meine Wahrheit ist zwar mindestens so surreal wie die jedes anderen, aber es ist egal was ich sage und schreibe. Niemand wird einem Es glauben, ich habe kein besonders starkes Ich oder Über Ich; eine Laune der Kultur gestatte, mich zwischen den psychosozialen Hindernissen durchzuschlängeln, Privileg der Grenzübergänger und Unterprivilegierten. Ich habe etwa gesagt, dass ich zu dem Schmafu, den ich gerade mache stehe, gegenüber Marcus? Unsinn, aber dann stimmt es vielleicht auch nicht, als ich auf seine Frage bejaht habe, ein Killer zu sein. Und das alles nach meiner schönen Performanz- Kunst. Das Blut rann und ich bewunderte seine Schönheit auf meiner leicht gespreizten, erhobenen Hand, unter der Strassenbeleuchtung, als ich am Eck wartete, dass Marcus meine Sachen runterbringt. - Schau, Marcus, ist das Blut nicht schön! Aktionismus, wo wenn nicht hier? - Er regte eine Heilung im Cafe Mal an, ich bekam Pflaster (und Segen?), während ich heulte und beteuerte, wie sehr es mir leid tut, und dass man anderen einfach nicht sagen kann, wie sie sich zu fühlen und wie zu verhalten haben und dass nur meine Sorge mich zu diesem Übergriff, zu diesem Schaustück getrieben hatte. Interessanterweise warnte h-mineur, der sich auch oft in dieser abwechslungsreichen Gegend beim Bahnhof aufhielt, Marcus am selben Tag, dass ich durchdrehen werde, wir hatten gerade eben miteinander gesprochen und ich war wieder einmal in Zorn ob der Weltunvernunft geraten, als sie sich bei dieser Bahnhofs- Kassahalle trafen, wo wir uns alle oft begegneten. Über die Jahre durfte ich mir viele Warnungen von h mineur, dem Grande Maitre, anhören: Sei kein Totalitarist! sagte er einmal, als ich mich wieder beschwerte, über irgendwas Weltzuständiges, und: Du hast den Blick eines Massenmörders, - Während ich zwischendurch von allgemeiner Wohlfahrt und aufgeklärtem Bewusstsein sprach, zwischen meinen Beschwerden, dass man mich nicht in Ruhe dahinvegetieren lies - Ich brauche ja nur so wenig! - oder warum die Menschen so litten.
Ich war mit der eben geschehenen Geschichte nicht ganz glücklich, über das Blut und so, über die ganzen Übergriffe, doch regte mich mein Körpereinsatz in Wirklichkeit noch Tage lang auf, und noch immer im Dilemma deswegen redet später Greg der Hobbymatrose auf mich ein, nachdem er gescherzt hatte: Ich kann alles, von Zeit zu Zeit! - und spinnt seine Theorie, er erfindet sie mitten in seinem Wortspiel, wir sind thematisch ganz nahe beieinander: Also Du weisst doch, vielleicht ist es das schwere Los der Fischer. Wie hiess nochmal der Fischer? - Petrus, - beantworte ich seine Frage. Es fällt mir plötzlich wie Schuppen von den Augen, dass ich Jesus für den Fischer gehalten habe, maritim wollte ich ihm andichten zu sein. Und Greg erinnert mich also an dies schwere Los, Fische töten zu müssen. Na klar! Allzu besorgt sah ich die Mengen Alkohol Marcus´ Kehle hinunter stürzen. Petrus sagte ja noch: Hand drauf, Partner! Auf die Zusammenarbeit! - und ich schlug ein. Nach dem Coup d´Etat flüchtete er vorsorglich. Und erst Greg erlöst mich vom Zorn auf Petrus Vater, diese Vernachlässigungen der Kinder (denn ich habe, während ich mit der Petrusempfehlung an Marcus, es ist der Tetsuo Film, in der Tasche durch die Gegend laufe, irgendwas mit Baseballschlägern angedacht, splitternde Glasvitrinen, dieser Sound, die Pippi Langstrumpf kann´s, Der kleine Jesus der Blechtrommel kann´s, also warum eigentlich nicht?), und das alles, nachdem ich, noch in derselben Nacht, kurz nach der ganzen Performanz, als ich ein wenig Zeit hatte die gerade geschehenen Ereignisse revue passieren zu lassen, ich Petrus die geringen Schulden die er bei mir hatte, ich weiss nicht warum, gleich einmal als erstes erlassen habe.
Als ich am nächsten Tag maitre h die Geschichte erzählte, staunte er: Als ob ich es geahnt hätte! Was willst du nur damit erreichen? Eure Spiele am Computer die ihr machen wollt, das ist doch nichts Ernsthaftes. mit erhobenen Armen liess er die Finger spielen wie auf einem Luftpiano: Du solltest fertig studieren. Das wäre ein anständiger Plan! und lächelte: Und deine Freunde, was sind das überhaupt für fertige Gestalten, die spielen sich herum und bringen nichts z´samm - Was!, rief ich: Meine Freunde sind die Besten! Ich bin mit den Besten zusammen! Du hast keine Ahnung. - traute ich mich zu erwidern, lodernd vor Begeisterung. Er zuckte müde die Achseln.
BEBE 2
Ich spaziere zurück in die Werkstätte,durch die Stadt im hellen Sonnenschein. Bebe ruft an. Ich telefoniere gerade mit Ibot, nach dem Umschalten bin ich wieder bei ihr. Kurzes Schweigen, ich denke: Soll ich fragen "Wie gehts?" .. eigentlich hat sie mich angerufen. Egal, ich frage." - Aber noch bevor ich den Mund aufmachen kann sagt sie: "Danke gut!" - Wir kichern daraufhin beide ziemlich ausgelassen und plaudern eine Weile, sie hatte eine seltsame Geschichte erlebt seit wir uns wiederbegegnet sind und ich verstand nur, dass ein Typ sie nicht wollte, dachte: au weia, wir Armen. Aber wie geht das, sie hat ja einen Freund? - Wir verabreden uns für einen der folgenden Tage, sie will mir die Story live erzählen. Nicht ohne Grund will sie das, denn es ist Folge unserer Begegnung und gleichzeitig ihre Sichtweise auf die Pläne die ich seitdem schmiede.
PICKBEC´S
Der Vorabend des Unendlichkeitstags war von so vielen Zufällen durchzogen, dass ich irgendwann wie von allein auf die Idee kam, da müsse eine Madeleine dahinter stecken, ein proust´scher Retro- Aktivator- Keks, ein Deja- Savoir- Küchelchen, ein Schrankenöffner zu den Gedächtniskasterln oder so etwas ähnliches. Dabei wusste man heutzutage wissenschaftlich nicht mehr sicher zu sagen, ob die Gedächtnisschubladen im Laufe des Älterwerdens überhaupt bestehen blieben, und nicht vielmehr, wie eine neuere Theorie besagte, die Dentriten bei Nichtbenutzung einfach gelöscht wurden, die Eiweissbahnen im Geflecht zwischen den Nervenzellen gekappt wurden, recycled oder ausgeschieden; Atempause von den Gespenstern der Vergangenheit. Angeblich gibt es so etwas wie umgekehrte Sensibilisierungsphasen im Alter von etwa 6 und dann 12 Jahren im Verlauf dessen alte und vergessene Inhalte verschwinden, im Kopf sozusagen Platz geschaffen wird für weitere Verbindungen. In letzter Zeit gönnte ich mir ein wenig mehr Ruhe, ich war sozusagen nach einem raskolnikowschen träumerischen Höhenflug von der schmalen Studentenpritsche auf dem Boden der Tatsachen gelandet, ernüchtert aber wohlgemut, zum Beispiel beim Kaffee im neuen Pickbec´s Cafe, nachdem ich den Film Tetsuo zurückgebracht hatte, ich wollte keinen Film mehr ausborgen denn ich kam in letzter Zeit zu oft hierher, aber ein Filmplakat ist mir aufgefallen, als ich verglichen habe, ob die Renovierung des Geschäftslokals ihrer aushängenden Plakatauswahl geschadet hatte, einer jahrelangen Tradition, und das Plakat von C.ODYSEE 2002 hing ja auch drinnen wie gedoppelt, und ich fragte nach, tatsächlich war das wirklich ein Film, und neuer als der Titel verhiess. So lieh ich ihn aus und setzte mich noch zum kleinen Espresso und ich hatte einen Kater von der Hälfte meines Wo´dkas, des polnischen, ich hatte mir das beim Kauf schon gedacht, Wyborowa, klang wie die Zeitung: Wyborcza pflegte meine Tante zu scherzen, nicht ausgesucht aber tendenziell, typisch polnische Ironie, so wie Putin Rasputin, und billig war all der Fusel, und so dichte ich von dem Aufkommen einer literarischen Idee, reime mit Wo´dkablut, Espresso und diesem winzigen Süsskeks, den sie dazureichen. In Wirklichkeit aber schweiften meine Gedanken die Tage viel zu meinem geplanten Kurzfilm: TOM aka TOLKIEN, die Tom Bombadil Szene aus ´Herr der Ringe´ a la Fassbinders Düsterhelldeutschland will ich auf die schnelle ablichten, wie ich zu Jo Schnellträger sagte: trashig, gewöhnlich, keine Kostüme, oder aber stilisierte, eine geschlossene Szene im Wald minimum, sechs Figuren, - und ich suchte im Cafe ohnehin ohne unterlass, müssig Kaffee schlürfend, die Bücherwände ab, und fand den ersten Band des Herrn der Ringe, Fellowship, und beschloss der Kunst einen weiteren Obulus zu entrichten, das Buch zu kaufen, und die Szene in english hardcopy, also auf Papier, zu lesen, und weiters es den angepeilten, möglichen Schaustellern zu geben, viel konnte man mit so einem Text machen, und ich wusste ausserdem nicht mehr, wo der e-Text war, der elektronische den ich einmal vor Jahren aus dem Internet gesaugt hatte, wie von Erdboden und Festplatten verschwunden. Pickbec´s Endlich- Auch- Buchladen- Videothek, na bitte, das gehörte auf jeden Fall geehrt. Prost! Heiter war der Tag, ich trat den Rückweg an.
TOM & ALEX
Noch in der MarcAurel Strasse in Richtung Metro werde ich schon wieder in meinen Gedanken eingebremst, es spricht mich jemand plötzlich wegen Bücherkauf an, sie drucksen an der Ecke herum, Charlie´s Pace, einer dieser früher anrüchigen Orte bis die Polizei Kameras aufstellen liess, im Schatten der Bäume bei der Litfassäule. Ich erinnere mich hier einen Professor von mir getroffen zu haben, damals, und er machte ein gegen mich zielende Bemerkung deswegen, ich war wohl meiner autistischen Euphorie halber schon immer verdächtigt gewesen kein für mich brauchbares Suchtmittelgesetz gefunden zu haben und ich erwiderte leicht gekränkt: Aber ich habe doch nur ein Video ausgeborgt! damals war das meine Lieblingsvideothek gewesen, vor der DVD- Zeit, als es noch schwieriger war, Filme in Originalsprache zu finden. Meine neue Bekanntschaft braucht wie es sich herausstellt 30 E um nicht aus einer WG, einer Wohngemeinschaft rauszufliegen, anscheinend sein Wohnort. Auf seine Frage, langsam nur kommt er zur Sache, antworte ich, dass ich immer Bücher kaufe. Als Thomas und Alex stellen sie sich später vor, nachdem ich ihnen meine Nummer gegeben habe, zwei junge, ein wenig heruntergekommen aussehende Typen, tatsächlich bin nun ich derjenige der sie verdächtigt, nicht ganz zufällig gerade an diesem Ort zu sein, wie immer sitzen einige Clochards und andere Tagebummler nahe bei. Aber sie verneinen glaubhaft, Thomas packt aus, Alex verkrümelt sich ums Eck, ein schüchterner Typ. Es befinden sich in seinem Besitz: Ein Einstein, seine Sager, Orginalverpackt; Coelos Veronika beschliesst zu sterben; Zwei Dürrenmatts; bis auf Einsteins Sprüchlein kenne ich alles, auswendig. Und Thomas vor allem kenne ich, vom Sehen, wieder eines dieser Stadtdinge, dauernd trifft man bekannte Gesichter von Unbekannten wieder, in der U- Bahn, in den Kinos, in den Kaufhäusern, und in mache deswegen den Scherz, dass ich ja einen Bekannten nicht hängen lassen kann, lache kurz, und versuche anscheinend es resigniert klingen zu lassen. Denn ganz unvermittelt fragt er darauf, gegen jede Konvention und Etikette, ob mein Lacher nicht falsch sei, er schaut dabei ein wenig säuerlich, gequält, als ob alles von meiner Integrität abhinge, das Thema ist ihm sichtlich unangenehm, und wiegt den Kopf fragend auf eine Seite, und ich verneine sofort, meine Erklärung hat eine Wichtigkeit, die mir in dem Moment nicht auffällt, und versuche es ihm so gut wie möglich zu erklären. Das heisst knapp, aber in aller Deutlichkeit, wiederhole ich fröhlich erläuternd unseren gerade stattgefundenen Dialog: Ich habe versucht lustig zu sein! - scherze ich. Er nickt begeistert und lauscht aufmerksam jedem Detail der Erklärung und sein Unwohlbehagen schwindet. Ich habe bestanden sehe ich, nur was, etwa eine Vertrauensprobe Unbekannter? Doch um einen Kontrast zu lassen handle ich um die Bücher deutlich unwilliger und bemerke bezüglich des Einstein- Buches schadenfreudig, haha, eines für Einstein in die Fresse, es wäre nicht mehr als 6 E wert, er empört sich beinahe unhörbar: Was, für Einstein das Genie? Ok, sage ich, alle vier für die gewünschte Summe, und das Sackerl, - erst später merke ich, dass Morava draufsteht. Ein wenig schäme ich mich, nicht grosszügiger zu sein, ich muss mich zu der Härte zwingen indem ich mir einrede, dass ich mich belästigt fühle, abgelenkt von den Wünschen anderer, Geldwünschen obendrein, schäme mich obwohl ich knapp bei Kassa bin, doch ist Geben nicht Notdurft? - dabei geniesse ich in Wirklichkeit dieses Zusammentreffen sehr. Die Bücher sind nagelneu. Der Deal ist perfekt, ich erzähle, was ich sonst noch treibe, er: Programmieren tust du auch? Bei meinen schriftstellerischen Ambitionen horcht er auf, aha, ein bekanntes Gebiet, und er fragt mich aus: Soll es ein Buch für 5 Bekannte sein, oder massentauglich, medienwirksam? - Ich winde mich sichtbar, stöhne unter der Last dieser Frage und kann keine definitive Antwort finden, ich weiss es schlicht und einfach nicht, vielleicht weil ich es zu deutlich ahne wohin Tagebuchaufzeichnungen führen. Na gut, er will mir dennoch, oder deswegen eine seiner 2 literarischen Ideen verraten, wobei er zwei Finger abgespreizt in die Höhe hält: Hast du einmal versucht 666 in 999 zu verwandeln ...?, - sagt er und zeichnet die Zahlen gleichzeitig direkt vor meine Augen. Doch schon halte ich mir die Ohren zu, beschwere mich laut! Ich habe genug gehört (zuerst noch verachtend aber jetzt verstehe ich, er wollte mir durch die Blume sagen, was es heisst, massenwirksam zu sein wie Georg Lucas mein Vorbild), es gibt schliesslich so viel feinere Verschwörungen, etwa die sodomitische Prousts, die bürokratische Kafkas, oder die kriegerische Kleists, nein, mit dem Teufel auf den Beelzebub, aber bitte doch! Die Idee ist übrigens besser als ich dachte. Das kann einmal eine Sprengkraft haben, wenn es darum geht, die Wissengesellschaft zu verteidigen. Mit den Beiden zeigte sich plötzlich ein Schimmer, ein Hauch irrer Freiheit, wie ich jetzt literarisch scherzen werde, freie Bürger waren sie und wiff und forsch, und schnell, und langsam, und ich druff, der zwar nur einiges kann, aber alles zerredet. Die neue Kraft, der neue Plan: - Tomas hat die Wirkung am eigenen Leib erfahren, als er mich, das Ganze mitten und lang auf diesem Schnittpunkt zwischen Strasse und Platz, um die Erklärung meines ´falschen Lächelns´ drängte. Kein Unbewusstes mehr, freie Produktion von Intensitäten, vielleicht waren das mehr als Schlagwörter, des Philosphen Deleuze Sehnsucht? Wer ruft das Volk? Virginia Woolf ging dafür ins Wasser, und ich war in Ber auch beim Kanal in Kreuzberg gewesen, in welchem man Rosa Luxemburg fand. Ach, prüfen mich deswegen alle so hart? Mit einem Stift eine Visitkarte mit meiner Telefonnummer beschreiben und herausholen durfte ich, allein, aus dem neuen Kapital- Tempel an derselben Ecke, früher war da die Profil- Redaktion gewesen, jetzt dunkel, neonfarben war es drinnen, maritimes blaugrünes Licht schwamm um die Rezeption, während Tom am Eingang auf der Treppe, erhöht unter dem Engangs- Dacherl, wartete, beinahe in Tuchfühlung mit dem alten, pflanzenverwachsenen Kirchlein waren wir. Pech gehabt, wir hatten nichts Analoges, no paper and pen, zum schreiben mit, und mir ist ja tatsächlich die Geldwirtschaft, das Business, nicht unsympathisch, ich bin Emphatiker, viel eher geniesse ich die augenausschlagende Ästhetik des historisch, so man es dermassen einteilen will, zweiten universellen Kommunikationsmediums Geld, L´Argent, Money, Steine, Mücken oder wie auch immer Julienne Moore aka Ms. Lebowski das auch deklinieren mag; nicht ohne meinen Johannes. Ich bemühe mich nur, nicht alles zu sehen, wenn es denn anders geht, nicht alles auszuschöpfen. Tatsache jedenfalls ist, besser gesagt das Resümee der Begegnung mit Tom und seinem Kompagnon war: Er hat mir vier Bücher und eine Millionenidee für 30 E verkauft. -, wir scheiden mit dem Versprechen, uns wiederzusehen. Ich richte meine Schritte zur Metro. Natürlich, eine Idee ist nur wie dieses Apfelgehäuse ohne Fleisch drumrum, einen Mönch zu ermorden etwa, aber oft genug werden Geschichten erzählt ohne eine Idee dahinter, da man ja nur irgend ein altes dramatisches Stilmittel wiederverwerten kann, nach den Choen- Brüdern angeblich die Art und Weise Hollywoodfilme zu machen. Ja es zeugt von gutem Stil darauf zu achten für welche Konsumentengruppe man produzierte, nicht jeder konnte es sich leisten als Privatgelehrter aufzutreten.
SYSTEM
Man mochte dem Geldmittel gegenüberstehen wie man wollte, bei aller angebrachten Skepsis für etwas grosses, majoritäres hatte es als verallgemeinerbares Kommunikations-, bzw. Steuerungsmedium der Gesellschaft seine Vorteile gegenüber der anderen möglichen Variante, der geschichtlich vorgängigen Macht. Noch vor kurzem hätte ich, vor die Wahl zwischen Befehlsausführungen und Zahlungen gestellt, mich im überwiegenden Teil der Fälle für zweitere entschieden, aber mittlerweile spannte ich schon das Massband auf um die dritte Variante in ihrem heutigen Auftreten zu beobachten, nämlich das Wissen als neustes, universell generierbares Kommunikationsmedium. Wissen statt Geld? Das konnte ich mir die längste Zeit gar nicht vorstellen. Normalerweise sucht man vernetzte Plätze auf um Wissen zu finden; oder Kunst zu schaffen. Ich hatte jedenfalls wenig Ahnung, nach was ich eigentlich suchen sollte. So konnte ich nur diese gelernte Lektion aufsagen, die sich wie die endlose Litanei eines abgegriffenen Gebetes gebetsmühlenartig wiederholt und zu einem kraftvollen Mantra in mir entwickelt hatte, das ungeachtet der verwendeten Worte allein durch die Wiederholung wirkte, um so mehr als es in einer profanen Zeit niemanden interessierte, selbst wenn es so neu und überraschend war, dass es noch an fast kein einziges zeitgenössisches Ohr gedrungen war. Wissen statt Geld, das schien mir ein machtvoller Prägestock zu sein, angedacht und herbeigesehnt vom Soziologen Niklas Luhmann, eines weiteren seltsamen Kauzes. Letztens hatte mein Repertoire an Definitionen von Genie, diesem Gral des 19ten Jahrhunderts, eine Aufstockung erfahren, ich las darüber bei dem Kulturtheoretiker Sloterdijk: Keinesfalls war das Genie seiner Zeit 100 Jahre voraus, vielmehr war der Durchschnitt 100 Jahre hinten. Gutes altes bewährtes Wissen, Herrschaftswissen oder Standeswissen, daraus nährten sich tatsächlich die meisten Vorstellungen meiner Umgebung. Und deswegen lebten wir in Wirklichkeit nicht im beginnenden 21ten Jahrhundert, dachte ich, sondern im Fin de Siecle des auslaufenden 19ten Jahrhunderts, einer Zeit die sich gerade erst anschickte, den Kriegerethos zugunsten der unsichtbaren Hand des Marktes hintan zu stellen, was aber die privilegierten Bürger nicht daran hinderte vom ewigen Frieden zu träumen und ansonsten ruhigen Herzens mit der allmählichen Zinssteigerung zu rechnen, die pünktlich eintraf wie die Eisenbahn, jedenfalls so lange, bis diese aufhörte ein völkerverbindendes Vehikel zu sein und sich zum schnellsten Truppentransportmittel seit Napoleons überraschenden Armeeschachzügen entwickelte. Das Dampfross revolutionierte die Kriegsführung viel eher als die Flugzeuge, deren Erfindung überdies als Kriegsüberwindung angepriesen wurde. Noch immer galt der alte Satz vom Schuster, bleib bei deinem Leistenbruch, denn selbst wenn er es nicht tat, so verlangten es er oder seine einmal in der neuen gesellschaftlichen Stellung etablierten Kinder doch von den Nachdrängenden. Jede Revolution endete mit einer neuen Tyrannei, als ob alle danach drängten, dass auch ein weiterer Satz aus Grossvaters Zeiten für ewig seine Gültigkeit bewahren solle: Macht macht korrupt, und absolute Macht macht absolut korrupt. Dabei gab es für uns revolutionäre Evolutionäre und zu kurz Gekommenen so viel faszinierendere Lektionen jüngeren Datums. Den transzendentalen Empirismus des Gilles Deleuze, um nur einen zu nennen.
Erstens: Schluss mit dem Willen zur totalen Umwälzung. Das lernte man von einer Philosophie die sich nicht mehr als Herrschaftswissen ausgab, denn das war Philosophie die längste Zeit gewesen: Stütze und Rechtfertigung der Herrschaft, des Bestehenden, der Verhältnisse und des Gemeinsinns. Und ist das nicht auch der Grund, warum wir heute von Philosophien so wenig wissen wollen? Weil wir keine Theorien veralteter und rückwärtsgewandter Verhältnisse mehr wollen, wo doch die Realität plötzlich ein denkbar neues Bild zeichnet, meistens projiziert, welches zu erforschen man sich genauso gut auf eigene Faust aufmachen kann? Vielleicht konnte erst in dieser unserer unvergleichlich einzigartigen Zeit, da die Erdkugel erforscht ist, Stichwort Posthistorie, eine neue Philosophie entstehen, deren kleinsten gemeinsamen Nenner Deleuze so provokativ bezeichnet hatte als Fähigkeit, ´der Dummheit schaden zu tun´? Nach diesen neuen Philosophien gibt es keine Revolutionen, oder besser gesagt, es durfte keine geben, denn fruchtbar allein und allein denkbar und angemessen unserer Zeit sind Evolutionen, und zwar kulturelle, denn die biologischen schicken sich heute an in den Händen der Biotechniker zu neuen Schrecknissen zu werden, wenn das denn nicht zu rückwärtsgewandt klingt. Nein, die Ersetzungslogik, wie sie das letzte mal Prominenz durch die Sozialismen und Nationalismen des 20ten Jahrhunderts erlangt hat ist heute unstatthaft geworden; zumindest dem Gedanken nach. Anstatt die veralterte oder unfähige Führung ersetzen zu wollen um sie mit einer geläuterten Variante zu ersetzen die dann alles richtig machen soll, setzt man heute auf Hinzufügungen, Erweiterungen, die innerhalb eines lockeren Staatsverbands, wie es beispielsweise demokratische Strukturen erlauben, aber eben nicht zwangsläufig generieren, neben dem Bestehenden weitere Strukturen aufbauen können. Die NGOs sind solche Strukturen, Non- Government, Nicht- staatliche Sturkturen also, aber auch, von vielen zwar scheel beäugt so doch unzweifelhaft auch Vertreter dieser modernen Erweiterungen, die internationalen Multis, denn wer könnte verneinen, dass heute die Wirtschaft, trotz ihrer despotischen, pyramidalen Struktur, der Motor der Gesellschaftsentwicklung ist?
Als zweite wichtige Lektion schickte sich spätestens sein den 80er Jahren des 20ten Jahrhunderts die interessante Theorie Luhmanns an, den althergebrachten Satz: Geld ist Macht, oder auch: Wissen wäre Macht, zu unterlaufen. Entgegen der subtilen, irgendwie überraschenden, nichts desto trotz noch immer herrschenden Meinung: manche griechische Wahrheiten behalten bis ans Ende der Zeiten ihre Gültigkeit, kein Wunder, gelten sie doch als Gründungsmanifeste der westlichen Geisteskultur, und deswegen weiterhin Platons Staat gelesen wird um daraus etwa das Wesen der Gerechtigkeit zu extrahieren, spricht sich diese Theorie dafür aus, dass ein dermassen eng verflochtenes Gespinst wie es, sagen wir vereinfachend, Industriestaaten sind, sich nicht mit vorherigen Gesellschaften und Staatsgebilden vergleichen liesse und deswegen eines speziellen Theoriegebäudes bedurften, damit man nicht in allzu vereinfachende Schemen der Erklärung verfalle, und welches deswegen auch nicht auf Kulturen älteren Datums anzuwenden sei, sondern allein auf moderne. Diese erste und einfache Intuition scheint aber gleich das erste Verständnisproblem aufzuwerfen, denn was uns in den Naturwissenschaften sofort einleuchtet, dass sie nämlich, trotz mancher Vorarbeit und der Kontinuität der Traditionen, mit nichts früherem vergleichbar sind, nicht mit Magie, Alchemie und auch mit keiner anderen weder dokumentierten noch universell kommunizierbaren Disziplin wie dem antiken Bauwesen, so erfordert es anscheinend eine weitaus grössere Abstraktionsleistung, um beispielsweise Amerika nicht mit Rom oder Ägypten zu vergleichen, da dem Augenschein nach ein Reich, ein Staat voller Menschen, sich nicht in wesentlichen Punkten von einem anderen unterscheide, trennten sie auch Jahrtausende. So ist für den gesunden Menschenverstand nichts anstössiges daran, Platons Intuition, den Staat in Analogie zum menschlichen Körper zu beschrieben, mit vielerlei befehlenden und ausführenden Organen und Extremitäten, per Analogie ins Computerzeitalter zu versetzen, wohingegen diese spezielle neuere Theorie der Auffassung ist, dass der gesunde Menschenverstand etwas ist, das, soweit es eine Gesellschaftstheorie anbelangt, einfach ausgetrickst werden müsse, wolle man zu einem der Wirklichkeit geneigteren Modell von Gesellschaften gelangen, in welchen wir heutzutage allerorts leben, sofern diese industriell entwickelt, funktional differenziert, was im groben bedeutet dass in ihnen industrielle und dienstleisterischen Arbeitsteilung herrscht und sie, zumindest teilweise, demokratisch geführt werden und ihre Systemkommunikationen darüber hinaus schriftlicher Natur sind; was sich von selbst versteht, denn eigentlich hocken wir auf unermesslichen Papierbergen aus Verträgen, Gesetzentexten, Geschäftsbriefen und öffentlichen Anschlägen. Was jedoch nicht bedeutet, Staatsgebilde lediglich als grosse Betriebswirtschaften anzusehen, d.h. als Grossfirmen, obwohl diese moderne Auffassung, trotz der stark vereinfachten Sicht, geeignet ist, etwas von der Komplexität der heutigen Zeit wiederzugeben, sie damit aber mitnichten auszuschöpfen imstande ist. Und im Gegensatz zu Companies können Staatssachen neuerdings durch jeden einzelnen mittels Wahlmitteln beeinflusst werden, wohingegen im ersteren Fall vielleicht allein die noch wenig entwickelte Tugend der Kontextsteuerung fruchtet. Besteuere die Abgase, schon bauen sich die Filter wie von selbst. Das könnte in etwa die Gedanken sein die mich zu den Öffentlichen begleiteten, über den langen Platz, der im Sommer oft Festivals beherbergt und voller gedrängter, knapp aufeinander folgender Gastgärten ist und an denen ich mich dann mit griesgrämiger Miene vorbeischleuse, die Lange Rolltreppe hinunter auf welcher ich als Kind einmal von einer Jugendbande, sie wollten Geld von mir und meinem Cousin auf Besuch, bedrängt worden war, ein heute eher unübliches Phänomen, damals gab es auch viel weniger Fremdländer, vorbei an dem einzigen, unterirdischen McDonald´s Stand den ich kenne, und die nächste Rolltreppe wieder hinauf zur grünen U-Bahnstation, wie immer erfreute ich mich am satten leuchten der die Verkehrslinie markierenden Farbe, dem dunkelherbstlichen Grün reifer Blätter, die unterirdisch den Eindruck der wenigen, die Innenstadt begrenzenden Bäume fortzusetzen schien.
LADY (grüne Mara)
Und da war sie wieder. Und als sie sich in der U4 rechts vis-a-vis von mir niederliess, ich sass am Fenster, erkannte ich sie augenblicklich. Ich habe sie schon gesehen, sie ist mir, wie ich später rekapituliere, für ihre ladylikeness aufgefallen. Sie trägt eine Jacke (Lydia: Cabbajacke), ländlich grün, grosse Knöpfe. Einen schwarzen über die Knie gehenden Rock, schwarze Strümpfe die in hellbraunen Halbstiefelchen aus feinem Rauleder stecken, sehr zierlich, dabei gross, wie Lady Marian im Robin Hood -Look kommt sie mir vor, fehlt noch eine Blume im Haar um sich nicht in eine Landidylle hineinzudenken. Aufrecht sitzend, gesetzte Miene, sie schaut wie verträumt vor sich hin und her, mit einer atemberaubenden Leichtigkeit vollführt sie ihre kleinen Bewegungen, holt aus einem mit anderen Gegenständen gefüllten Billa- Sackerl, vielleicht hat sie es auch schon beim niedersetzen in der Hand gehabt, ein kleines Baklava, und schält es sogleich aus dem durchsichtigen Plastik, beginnt zu essen, sehr aufrecht, den Kopf leicht gesenkt, weiter verspielt mal da, mal dort hin blickend. Ich bin ein weiteres mal gänzlich von ihr hingerissen, die nächste unbekannte Stadtbekanntschaft, so aus der Nähe habe ich sie noch nie begutachten können. Wie eine Belohnung für meine gute Tat kommt mir diese Begegnung vor. Ich wette sie steht auf Bücher. Sie lässt meine streifenden Blicke würdig über sich ergehen, manchmal beugt sie sich in meine Richtung, wie um aus dem Fenster zu schauen reckt sie dabei ihren Schwanenhals. Ich beuge mich nach vor, es ist eher ein Zusammenkrümmen, mir ist fast schlecht vor Begehren, oder so sage ich mir wenigstens, mein Kopf schwebt nahe ihres Knies. Kleine Perlohrringe hat sie auch merke ich beim aufschauen und ihre braunen, recht kurzen Haare sind hinten zu einem kleinen Zopf festgemacht. Überall auf ihrem vollen, ernsten Gesicht zeichnen sich kleine, winzige rote Flecken ab, kaum sichtbar, so dass es fast sommersprossig aussieht, nur irgendwie scheinen sie zu hell und rot. Es nimmt ihr nichts von ihrer bezaubernden Schönheit. Ich bin verzweifelt und versuche innerlich zu scherzen: Irgendwann spreche ich die Mädels auch auf der Strasse an ... dann bin ich verloren. - Er kommt mir blöd und unsinnig vor, mein Scherz, er ist aus der Verzweiflung geboren. Ich bin da, meine Station, und als ich aufstehe rückt sie ihre Sachen und Schenkel einen tick zu hastig, zu eilfertig zur Seite, als dass ich nicht umhin kann zu bemerken, dass sie auf jeden Fall (h-mineur Sprache) nur auf ein Wort von mir wartet. Hoffentlich sieht man wenigsten nicht meinen Halbsteifen, weisses Bogenrund, quer zur Hosennaht, denke ich beim Rausgehen. Ach, warum verbaue ich mir nur so die Wege, erst letztens prahlte ich Narr, dass ich einer Frau die mich anmacht nur auf den Schädel tippen würde, ob sie wahnsinnig sei. Helas, hätte ich so doch angesprochen, versuche ich mich selbst noch einen tick weiter zu quälen. Allerdings wäre dann das Gespräch mit Bebe nicht so gut und entspannt verlaufen.
BEBE 3
Bebe hat bei unserem Treff am Abend sogar den BH an, den ich mir Tags zuvor, nach ihrem früh-SMS mit den Treff- Daten, verschlafen und noch halb liegend, erträumt habe, um den Hals zusammengebunden, vielleicht ist es auch eine Art Top, und weiss ist er, hebt sich deutlich von ihrer sonst dünkleren Kleidung ab, vor allem fasziniert mich wie er hinten von ihrem Hals, wo die feinen flauschigen Haarbüschel sind, gehalten wird. Wir sitzen da am Lueger Platz, sie hat extra gefragt, ob ich das Cafe kenne (jaja, aber drin gewesen nicht das ich wüsste), und ich schaue genau und entdecke ganz rückwärts an der Wand auf einem sehr grossen grauen Plakat den Satz: Die Wörter sind Nomaden, - und das ist auch genug, nachdem wir eine zeitlang gewartet haben gehen wir, ohne Bestellung. Ihr T-Shirt habe ich auch schon bemerkt, Kostbarkeit oder so ähnlich steht drauf, in funkelnden silbernen und goldenen Plastikkristallen auf sattem Blau - Von Coeli, sagt sie dazu, ich nicke bewundernd, auf Coeli halte ich viel: Die Männer sind ja eigentlich die Luxuswesen, - scherzte ich, sie quittiert es mit ihrem ebenso höflichen wie unergründlichen Lächeln, mit ihrem herrlich grosses schwarzes Kappen- Baret, so wie vor einigen Jahren in Mode, wirkt sie endgültig wie ein listiger schwarzer Matrose mit Pferdezopf - Ich hatte die Mütze schon vorher, es ist ein Geschenk, rechtfertigt sie sich lachend, alle etwaigen Modeanspielungen meinerseits verwehrend. Und noch auf dem Hinausweg bringe ich meinen Schwank über diese gediegenen Kaffeehäuser, immer mit Frauen bin ich drin, Vron, Karin H., Natti, I, wo ich meist scheel rüberkomme, einmal war ich mit I im Cafe Museum, sie sprach von ihrer möglichen Gehirnzyste, dem Kopfweh, ich erwiderte: Aber hör doch auf, zu arbeiten, zu urteilen, so hart, lass dich gehen, deine Gedankenverbrechen, gegen deine Familie und deine Freunde sind ja zu ulkig wenn du sie aussprichst, - gross ist damals unser Altersunterschied, sie Teenie, ich Senior, prüfe, bis sie einmal eine Hose anzieht, die ihren enorm gerundeten Arsch zeigt. Aber das erzähle ich Bebe nicht alles, sondern: Na und dann wurde I beim Gehen noch von einem Gast, der uns aus der Nähe zugehört hatte, beiseite genommen und er ermahnte sie ernsthaft, mit mir vorsichtig zu sein. Und was tat sie darauf? sie warf mir das gleich noch anschliessend, ich half ihr in den Mantel, vor seinen Augen vor, dass sie sich das anhören muss, überhaupt hat sie Kopfweh! - Wir gehen lachend hinaus, an der Eingangstür klebt eine lange und schmale Annonce, ein Typ, man sieht ihn auf dem kleinen s/w Foto, sucht Interessierte für einen Literaturzirkel, - aha, Universität, denke ich, als ich die e-mail Adresse bemerke, in solchen Cafes sollte ich eigentlich verkehren, wenn es mir ernst ist mit der Schriftstellerei, aber was wäre mir schon einmal ernst gewesen?. Wir verlassen das Cafe und suchen weiter. [Geschichte] Im Cafe, wo ich Bebe schliesslich hinlotste, war es viel anarchischer, und ich verstand zunächst gar nicht was sie meinte, dabei war es sehr einfach: Sie wollte meinen Stolz und Egoismus prüfen, meine Eitelkeit, ulkigerweise ein Kapitalverbrechen in einer egoistischen Gesellschaft, wo Handeln erlaubt war, Reden jedoch nicht. Ich sass ihr sehr nahe und begutachtete ihren Hals, ihren Nacken, die Schultern, ihre Haare, diese waren ein langes und schwarzes ägyptisches Wunder, es fehlte nur noch das Diadem, um sie mit Kleopatra zu verwechseln, mit ihrem leuchtend schwarzen, beinahe völlig glatten Haar, eigentlich fiel es in kaum wahrnehmbaren Wellen herab, umrahmte ihr Gesicht wie ein viel zu langer Helm. So hatte ich sie noch nie gesehen, chinesisch, ja mongolisch wirkte meine Zwillingsfreundin, und wir steckten die Köpfe zusammen und kicherten viel während wir unsere Geschichten austauschten. In ihrer lustbetonten Weise die wie träge wirkt fragte sie mich zunächst nach der Geschichte über die Mädels, denn ich betonte dass sie von ihr handelt: Aber es ist doch deine Geschichte, wie du sie mir per SMS erzählt hast? Du hast das alles gemacht. Was habe ich damit zu tun? - Ich: Schau, damals war alles im ´stall´ (wie die Engländer sagen), weisst du, eingefahren, - ich zeichnete mit kräftigen Handflächenschnitten nach unten die fest gerammten Beine, der Tische, der Menschen, alles ewige Steher. Sie nickte - Ich war am Ende, das wär irgendwie so weitergegangen, - wie ratlos mit langem Gesicht wippte ich den Oberkörper langsam hin und her, sie grinste aus Höflichkeit. Ich: Und dann kamst du. und alles kam ins Rollen. (Dein Lachen schlug unter heiterem Himmel in diese stille Landschaft ein wie ein gewaltiger Knalleffekt. Es war wie das Lachen der Berge, wenn sie es vermocht hätten, voll, lang, voluminös und weit tragend. Es war das Lachen der Berge Täler Wälder und Wiesen.) Sie nickte gewichtig senkte zunächst nachdenklich den Kopf und lachend schaute sie nach einer kleinen Bedenkpause auf: Ja, weeiiissst du, daa haaast du auf einen Punkt von mir genau hingewiesen, über den ich mir auch schon lang den Kopf zerbrochen habe. Du hast das bemerkenswert gut getroffen! - mit gesenktem Köpfchen lacht sie erneut in sich hinein, sichtlich mit sich zufrieden. Als sie nach meiner zugepflasterten Hand fragt umschreibe ich ihr meine blutige Performanz: Es war um zu helfen! - Sie: Und bist du würdig daraus hervorgegangen? - Ich: Absolut. - Ich gerate ins schwärmen, erzähle von Glasgesplitter: Kein Wunder, dass die Männer so schlachten... irgendwie muss man ja den roten Lebenssaft bewundern können. - Bebe lacht mit: Eeecht, das kann uns Frauen nicht passieren! - Ich: Echt? Kann man nicht auch wegschauen, dabei? - Sie: Nee - sehr zweifelnd, kopfschüttelnd.
Wir setzten fort und beendeten unsere Märchenstunde im Schwarzen unter den geschulten Augen der Philo-Jungs die mittlerweile eingetroffen waren. (Und so nahm die zweite Probe, des Wissens als univer-(sell), am selben Tag, nach dem meetin´ mit Tom & Alex, nach Pickbec´s, helas!, wieviele waren es gewesen: envy - Proben, das Unigeständnis, die Unbeweglichkeit, ihr Ende.) (fehlt Bebes Geschichte, NIG- Geschichte mit Jungs)
PHYSIK
In der Nacht, nach dem Treff mit Bebe und als Matti um 3 gang, feiere ich wodkaberauscht (erste 1/2 Des Wo´dkas) mit dem Einstein ein privates Autodafe zur persönliche Ergötzung: Voller Lust und Freude zerreisse ich das Buch. Am nächsten Tag gibt Joh, auf dem Weg nach Amiland, in die Dichterstadt Portland, sein ok dazu - er hat es mit seiner Freundin abgesprochen, redet von der Adoption der Einsteintochter. Jetzt, jetzt endlich bin ich mit Einstein, meinem Very- Personal- Jesus, von wem auch nicht in dieser wissenschaftsvernarrten Zeit, ausgesöhnt, und mir kommen die Tränen. Und jetzt erinnere ich mich an diesen süssen Einsteinfilm den ich, immer zufällig, schon zweimal gesehen habe, mit Walter M. in der Hauptrolle. Aber ich musste irgendwie Einstein vernichten, um das Lob der Physiker auf ihre GUT- Vereinigungsformel singen zu können, Astrophysiker, Priester, allesamt Vereinigungssüchtige. 80 Prozent des Universums besteht aus dunkler Materie, die man nicht sehen oder erforschen kann, da bleibt genug Raum zum spekulieren. Und, nota bene, würde man aus einem Menschen die Zwischenräume in seinen Atomen entfernen wäre er ein kleiner Punkt, kaum mit der Lupe sichtbar. Fast mit liebe-, kummervollem Gesicht bücke ich mich nach den Papierschnippseln die überall herumliegen, schnüffle, tatsächlich, obwohl ich im Rausch überzeugt gewesen war alle Seiten zerrissen zu haben, ist der Schlussteil übrig geblieben, süsse, sehr schöne Zitate und Fotos, ich strahle ob des Funds Jo Wegabkürzer an, klopfe die Staubreste von dem Buchfragment, er belächelt mich. [Marcus kommt, lustig unserer Teufel-Beelzebub-Scherz zur Performanz]
TOAST
Ein Toast auf den Wyborowa, der mir, Halbzeitlich, (halbzeitig) fast den Magen durchschlug:
"An klaan Wodka in Ean amol in ma Leam"
für Andre
NINTENDO DS - KONSOLE
Gerade eben hatte ich wie ferngesteuert über die Grosse Lange Strasse rennend mehr oder weniger unwillkürlich einen NintendoDS Double System, ein Handheld-Gamesystem a la Gameboy, erworben. Das Gerät ist schlicht und ergreifend: The ("Young Ladies" - Stephenson) (Very) First Illustrated Primer, The Hichhicker Through The Galaxy Prototype, die Kind-Buddha-Maschine (zu Slotterdijks Bemerkung: TV = Buddhamaschine, Erlösungszeug, da man endlich Herr über die Programmwahl ist, das heisst selber entscheiden kann wer einen wie lange belabert), Der erste Versuch, The Beginning of Edutainment. Ca. 20 Jahre war ich den Schöpfern aus Nippon in Liebe verbunden gewesen, seit dem ersten Super Mario in der Spielhalle. Und dann hat es erst den Kauf erfordert, um überhaupt auf den Gedanken zu kommen, das könnte über Spiele in irgendeiner Weise hinausgehen. Die erste Versuchung einige Tage vorher bei Yogi war: Der GP32, gee-pee, eine Retromaschine, kann sogar die Vectrex -Vektormaschine anno dazumal emulieren, erste Vektorgrafik für zuhause. Ist aber zu wenig Gameboy Advance- kompatibel, ich habe mich verzweifelt bemüht, nur einige alte Spielhallengames auf GP- MAME bringe ich zum laufen, sowie den C64- Emulator. Das faule Tauschgeschäft mit Yogi hat auch nicht hingehauen. Und lx riet ja stattdessen den NintendoDS zu kaufen, erinnerte mich an ihn gleich als er herrauskam. Ich kann mich nicht entscheiden. Meine Gedanken zum Einkauf waren: Ich muss die Maschine haben, obwohl ich pleite bin. - Um dann bis zur Kassa zu denken: Aus Pietät werde ich es nicht sofort anspielen, auch wenn ich es kaufen muss. - Die Verkäuferin angesichts meiner ernsten Miene: Viel Spass. - Auch sie ernst. Auf dem Weg zurück in die Zentrale schreibe ich ein SMS an lx: Hab DS, hilfe! - Er ruft an: Ich habe mir schon gedacht, dass du es kaufen wirst. Warum hilfe? - ich lache: Ach, nur so. Muss wahnsinnig sein! - Und dass ich es kaufen würde, damit wusste er bis zu eben dem Zeitpunkt mehr als ich. Eigentlich habe ich im Cosmos wegen einiger Medien gestöbert, schon auf dem Weg zur Kassa entdecke ich noch, relativ versteckt und abgesondert vom sonstigen Spielkram, es ist wohl das Schauboard der Neuigkeiten, ganz am Boden das Gerät, schaue, staune erneut, ich kenne es vom Aussehen, aber es kann doch nicht wirklich so plump sein, es ist tatsächlich schlimmer als der orginale Gameboy Advance, und ich hocke lange davor und grüble, was soll das?, - erst der SP, dann das da, und nehme es, lasse es wieder, gehe zurück zu den Spielen, ja tatsächlich, MarioDS ist da, ich nehme das, nehme am Rückweg den DS wieder auf und biege in die dahintergelegene Kassazone.
Dennoch spiele ich schon am Abend rein, nachdem ich einige Rauchfahnen ausstossend das Gerät beäugt habe, die Anleitungen dazulegend. Meine rechte Hand ist gerade verletzt und frisch zugepflastert, doch das hier ist eine Maschine für beliebige Hände, wie ich bald entdecke. In den zweiten, den alten, dreifach so breiten und doppelt zu dicken Steckplatz, den GBAdvance -Slot, stecke ich Wing Commander -The Prophecy, tadellos! Sogar die Art und Weise des DS- Protospiels, natürlich Mario64DS, ist eine Allegorie auf mein Leben. Ich, Retter der Videospiele, erkannte sogleich einige Mario-Minispiele, noch bevor ich sie anspielte. Liebstmich, Memory, ein Ishido-clone. Meine Kindheits- und Lieblingsspiele, und von wem auch nicht. (Der Primer - Prototyp, mit Mario im Slot: Das hat ein minigame, "Liebst mich, liebst mich nicht". Damit Kinder den Blumen nicht wehtun müssen, wenigstens auf ihrer Liebessuche. A hat es mir beigebracht, war aber unzufrieden wenn ich es spielte.). Selbst die Coins, das Geld, das fiel mir sofort ins Auge, hatte den goldleuchtenden Fetischcharakter verloren, es wirkt wie lahme Spieljetons, im ersten Ansehen denke ich: Palatschinken im Toaster rausgebacken, wie schiarch, was soll das? - Nur der Sound beim einsammeln klingt gewohnt voll, es sind wie immer lauter helle Glöckchenschläge, tri-ding, tri-ding. Dann begreife ich: Wie schön es ist, auf einen weiteren Fetisch in einem althergebrachten Spiel verzichten zu können, ohne die Ästhetik durcheinander zu bringen. Das Geldmittel ist an dieser Stelle schon, avant- gardistisch passe, das hier ist eine Wissensmaschine, mit einem Spiel, welches das Geld zurücksetzt und vielleicht dafür das Wissen, als Steuermedium des Sozialen, einsetzt. Der Mann hinter der Mario- Serie ist ein Genie. Und wie vorschnell das Ding publiziert wurde - die Anleitung ist ungenau bis fehlerhaft. Habe ich noch nie bei Nintendo erlebt (vielleicht, weil ich noch nie die Anleitungen gelesen habe - Wessen Imperativ hatte ich im Kopf, als ich während der Erforschung des Geräts, beinahe unbewusst denke: Ehrfürchtig die Anleitungen mitstudieren!: Martin gs). Vielleicht sind sie wirklich am Ende, wie schon einige Male, bei Nintendo. Nun wenn schon, wenn man die Ideen nicht aufgreift? Das Ganze wirkt eigentlich wie Work-In-Progress; Wunder. Auch das Design ist irgendwie special. Billig auf eine Weise die nicht genau Retro ist, sondern als ob es zu einem anderen Zweck geschaffen wurde. Zu ganz anderen Zwecken. Es wirkt beinahe wie altes Blechspielzeug, aber das ist zu ungenau (ist ja egal, welche Anspielungen die Differenz herausschält. Wichtig ist, dass sie besteht, zum Beispiel zum hochdesignten Handheld von Sony, die PSP, Pocket Playstation, toller Screen, tolle 3D Grafik, die Performanz geht auf Kosten des Akkus, auch das Mini-DVD- Laufwerk). Endlich gibt's 3D zum mitnehmen. Greg später: Ich werde nicht fliegen können, bis ich so ein Gerät habe. - Greg Bombenträumer scherzte schon wieder meine Gedanke und Befürchtungen weg, denn gleich als ich die Anleitung studiere und von der Funk- Potenz lese und der Warnung, die Funkverbindung nicht in Flugzeugen einzusetzen, habe ich die schlimmsten Befürchtungen, schliesslich leben wir in einer Zeit, wo manche Flugzeugabstürze auf menschliches Beharren zurück geführt werden können, und erst recht die Kinder, die schiessen heutzutage schon mit scharfen Waffen in der Schule herum, in den gefürchteten Staaten, und ihren europäischen Ablegern, wie Alt- Deutschland etwa. Ich spiele also diesen Abend einhändig links, die Rechte schmerzt zu sehr, und besiege auf diese ungewohnte Weise auch gleich den ersten End-bomb-boss, er ist beinahe eine Allegorie auf den zweiten grossen Bären aus Super Wonderboy in Monsterland von Sega dem alten Rivalen, den grossen Eisbären, der die kleinen Eisbären schleudert, die zusätzlich blitzgeschwind schlitternde Eiswürfel werfen, spät in der Eiswelt, ca. 5te Welt, ausser dass er natürlich, wenn auch modifiziert, hier ganz wie am Nintendo64 wirkt, nur eben zusätzlich diese kleinen Bomb-o-Bobs schleudernd. Ich gickere vor Begeisterung, der bombt sich durch seine kleinen Bomb-o-Bomb-Imps selbst zu fall, während ich sie um ihn herum an der Nase herumführe explodieren sie neben ihm, ich hingegen bleibe oben am Hochplateau welches die Kampfarena darstellt, und werden von ihm nicht einmal runter geschmissen bis er sich besiegt gibt. Dabei beschleunige und verlangsame ich während des Steuerns am unteren Touchpadscreen mit dem Zeigefinger, ähnlich wie mit einem Analogstick eines Gamepad ist die Bewegungsgeschwindigkeit stufenlos steuerbar, und mit den kleineren Fingern bediene ich zusätzlich das linke Steuerkreuz, welches in dem Fall die Knöpfe mimt, symmetrisch gespiegelt mit den vier Knöpfen der rechten Seite. Und so bekam ich bald den ersten Stern vom ersten Endgegner, die Sterne sind Schlüssel für die weiteren Welten. Anfangs wird Yoshi gesteuert, der Dino, wie putzig er ist, noch schöner als in Yoshi´s Islands am GBA, und längst nicht so unhübsch-unpraktisch wie in den Mariokart-Teilen, mit seinem grossen Kopf im Bild, und es dauert mindestens Vier Sterne oder so, bis man sich die Mariokappe überstülpen kann. Witzig, den N64- 3D- Mariowelten in neuer Aufmachung, mit modifizierten Elementen aber auf denselben Landkarten, wieder zu begegnen, Terrains, die ich damals nie vollständig ausforschen konnte. Und ich trank dazu den ganzen Abend lang die zweite Hälfte des Wo´dka, langsam genüsslich, ohne Bier oder Wein dazu, und er war wunderbar klar schmeckend. Grad habe ich fast die zweite SMS-Geschichte an Bebe fertiggeschrieben, die letzten Teile lasse ich weg, aber in der mail-version sind sie wieder drin. Die multiplen Schriftsteller- Wehwehchen schmerzten, dazu kam die verletzte Hand.
Beim trinken gerate ich in Gedanken: Als literarische Fiction ist die Vereinigung quasi eine Banalität. ich wäre aber im Ernst nie draufgekommen, dass die Menschen das wirklich wollen. Aber als ich es als literarisches Projekt ernst zu nehmen begann, war ich plötzlich überzeugt, Feuer und Flamme, sofort spontan begeistert. Es erschien ja sofort einleuchtend. Ich war in meiner Naivität leicht befangen, dass eh alles Eins ist? Die Welt ist sexy - Ein alter Lacher, den ich manchmal bringe. Heute sage ich lieber, die Welt legt auf (ist aufgelegt). Meine Lehrer sind soo gut. Und immer besser, als ich. Ich weiss nichts, und nichts wissen, und werde angeleitet durch sie zum Lernen. Zu Beginn liege ich in ungefähr 50% der Fälle richtig. Mit sofortigem Fehlertracking und Beta- Testen verbessert sich die Quote rasant. Ich glaube worum sie sich jetzt allein sorgen, ist meine Sexualität. Süss, die Angebote, beinahe unbewusst. Nur Geld darf ich keines haben, das geht nun nicht. Sehr lustiger Weg eigentlich. Naja, um gute Literatur zu machen - lächle ich also vor mich hin. Und wenn ich wirklich ungreifbar bin, wie meine Mutter sagt, na bitte, dann fixiere ich mich doch gleich: Ich bin wie Luhmann, Theoretiker sozialer Systeme, im O-Ton klingt das so (Archimedes und Wir): Ich ersuche um viel Zeit, keine Geldmittel, einen Sekretär (nu, es gibt Kaputter, denk ich) für das Italienische Abenteuer, für die neue universale Gesellschaftstheorie der Gesellschaft, die Gesellschaft der Gesellschaft nennt er´s, geleistet von den "Neufranziskanern". Und ich liebe die Abkürzungen durchaus nicht, aber wer hat wohl Zeit, wer Lust? Worüber ich mir allein Sorgen gemacht habe, war der Humor. Mit der Geschichte Telepath habe ich mich dieser Fähigkeit versichert, vor vielen Jahren, während einer gemütlichen Drucker- Arbeit in einem Industriegebiet am Stadtrand, denn während meiner Freizeit konnte ich mir anfangs nie abringen zu schreiben. Ich bin von nun an der autoeulogische Schriftsteller, der Selbstlober mit dem Würfel: wer gut, wer böse (die literarischen Lügen: niemals wird bestimmen der Würfel den Zufall, hihi, S. Mallarme, oder A. Beginner: Wer? Kämpft?), aber auch für die Benennungen und Namen werfe ich den Würfel. Habe mir schon den grössten Würfel, einen transluziden, halbdurchsichtigen 20-Seiter geholt, aus damage-games, 1 Euro hat er gekostet, sie hatten hunderte, in allen Farben, in der Wühlkiste, ich legte einige heraus, schliesslich wieder zurück, geduldig suchte ich, und für Topaz, hellviolett, glaub ich, oder silbern, jedenfalls silbrig glitzernd, habe ich mich entschieden. (avec les etoiles incrustu, oder so) Ich bin in meiner literarischen Rolle der Akira - Kagemusha extended: Weil Schauspiel und Erklärung in einem verringert die Überinterpretation (AUTOEULOGIE a la Nietzsche- Slotterdijk- Deleuze. Die grosse Bejahung). Ich schreibe das dritte Filmbuch: L´esprit mouvement. Der bewegte Mann. Dont @ liter.at. Literatur ist der Schmerz der Lüge, wie ich aus dem Dekor der Ausredenweltmeister schöpfe. Denn als ich anfing gut schauzustellern und mich mal wieder so richtig heraus zu trauen, im Vertrauen, dass nichts passieren kann was nicht schon so oder ähnlich sich abgespielt hätte haben können, begann ich fast gleichzeitig die flüchtige Essenz der events aufzuheben in der s/w Existenz der Buchseiten, indem ich schnell Teile niederschrieb, und anschliessend versuchte, sie auf verschiedene Weise zusammen zu setzen. Es war leichter, die Verbindungen schon bestehender Geschichten hervor zu nesteln aus der Einbildungskraft, wo sie sich als geschaute oder auch gehörte Bilder aus dem Gedächtnis auflösten, im Sinne einer Auflösung der Schärfe eines Bildes, als ganz neue Teile zu beschreiben. Aber im Grunde war das Faulheit, zusammen mit einer Angst die einfachen, schon gestrickten Verbindungen zu Gunsten neuer Verbindungen zu verkomplizieren. Aber andererseits hat mich auch noch niemand zu überzeugen vermocht, Hiphop- Musik liesse sich alleine performen, auch Eminem nicht. INFINITY DAY 1, ROBERTs TAG
Und es begong der Unendlichkeitstag. Endlich will ich alle versammeln und neue Freunde ins Boot holen, damit es ab gehen kann mit den Einigungswünschen der einsamen Planeten und Sterne. Wir kommen zusammen zu einem grossen Fest.
Erfrischt bin ich des Tages aufgestanden, diesmal hat mich die andere Wo´dka-Hälfte in eine leicht glänzende Lichterwelt mit Weichzeichen- Filter versetzt, es ist ein schöner Tag, ich habe keinen Kater wegen dieser Ausnahmefeierlichkeit, nun, schliesslich ist auch der Papst gestorben. Eine symbolische Zwischenzeit ist angebrochen, der Okzidenz ist um eine strahlende Figur ärmer geworden, Subversion und Heräsie kommen hervor, die Heiden schöpfen Kraft inmitten der führungslosen Menge, die medial gebannt ist und im prochaine chose mondial, im Weltereigniss mitlebt. Und ich bin diesen unseren alten Nachbarn aus Kra los, auf den meine Mutter so scharf war.
Am Vormittag stattet mich das Zauberpärchen aus, nachdem wir eine nussglänzende Kommode bei ihnen Installiert haben. - Was, schwer soll das sein? - scherze ich, Natti, Prinzessin Ballerina hat mich ganz schön reingelegt, um mir den Spaziergang zu ihr nicht unnötig zu erschweren. Mein babyblaues T-Shirt mit Buch- Schrift gen unbekannt bekomme ich von ihr zum Geschenk (Selbst Mara wird nicht wissen von wem der Text ist, obwohl sie versucht den Sinn zu entziffern). Natti bewundert meine Muskeln während ich es mir überstreife, vor ihrem grossen Spielgel stehend, zufrieden, ich zeige ihr die Muskeln nicht oft seit ich aus Ber erstarkt zurückgekommen bin, sie sind klein, gut angelegt, noch immer schlecht entwickelt, aber immerhin, ich werde sie noch viel einsetzen, den ganzen Tag lang, und sie macht sich Luft und scherzt: Alter Mann! - Tja, der junge Stefan!, denke ich und winde mich elegant und sexy: Wie soll ich sagen? - grinse, rolle einmal die Augen: Nackig tollen wir im A-Menschlichen wie wahnsinnig in irrer Tiergestalt. Du zeigst mir die weibischen, und die tierischen Abgründe! - Na gut. - Sie lachen ob meiner Überredungskunst. Sie zeigt mir ihre zwei ´Magic Wands´, Zauberstäbe für sich und ihren Nebenzauberer-Liebhaber, sein knorriger Holzprügel, sehr schön gewunden, die Patina, kurze Verzweigung oben, ist übermannsgross, ein richtiger Minibaum. Wie schön ihre Küche geworden ist, viel haben sie gearbeitet. Sie hat mich schon Tage vorher erinnert, auf sie nicht zu vergessen, während ich wieder mal Zeuge sein durfte ihrer Hexenkunst: Fleisch am Karfreitag, - ich war völlig ausgehungert vom Fasten. Meine Güte war das stimmungsvoll gewesen, der Wohnraum in allen Bern- und Edelsteinfarben glitzernd, obwohl coloristisch beinahe völlig zurückgenommen. Das Holz wirkte so, und das Leinen glänzte gar hell. In Gedanken versunken ziehe ich mich nach einer weile von diesem kleinen Matinee zurück, sehr bald haben wir uns vom Befördern der mehrteiligen Kommode ausgeruht, und in glänzender Laune scheiden wir mit dem Versprechen einer baldigen erweiterten wirtschaftlichen Kooperation.
Am Nachmittag kommt Paul zur Nachhilfe. Noch bevor er ganz durch die Tür reinmarschiert ist habe ich einen Namen für ihn gefunden: Der Meisterspieler. Mit einem blauen Filzschreiber, der neu sein sollte und dennoch schon eingetrocknet ist, ein Billiganbot, kratze ich das schnell aufs Papier, während er sich bei mir akklimatisiert. Und anschliessend singen wir, ja wir brüllen das Französisch. Er: Je (rScheeeeee). - Ich: Je (rSchööö!). Je (rSchöööÖ!). Je (rSchöööÖÖ!). - Er: Je (SCHÖÖÖÖÖ!!!!!). - Aber er heult fast wegen dieser französelnden Missklänge, der ehemalige Sängerknabe, weiss der Kuckuck wie das für ihn, den Deutschtiroler, klingt. Lange besprechen wir die Melodien der Sprachen und Welten, schön veräppeln wir sie und ihre Grammatiken, Dialekte und Gewohnheiten. Zum Abschluss unserer Abenteuergeschichten, wir schweifen ab nachdem wir uns durch einige Seiten und einige seiner Tests durchgelacht haben, erzähle ich eines der Gustostücke beim Heer: Ich war mit unserem Zugs-Heini Hinterberger zur Grabenkampf- Schiessübung eingeteilt, ein Jungmann wie aus dem Neolithikum, dabei klein, wir waren irgendwo in Allensteig, immense Weiten, Wald und Flur, grösster Truppenübungsplatz Europas, und der erste Teil der Übung bestand darin, im Gehen aus dem Hüftanschlag heraus auf mannshohe Tafeln zu schiessen. Wir hatte den ersten Durchgang mit Übungsmunition schon durchlaufen und fröhlich scherzend munitionierten wir gemeinsam die gerade ausgefasste scharfe Munition auf, irgendwas war zwischendurch passiert, das mir entgangen ist, es gab ständig Reibereien in der jeden zweiten Tag stattfindenden Routine im Feld oder am Schiessplatz, im Freien meistens, die Schiesstände verfügen ausnahmslos über Holz- oder Betonüberdachungen, und dann sind wir auch schon wieder an der Reihe, die zweite Runde, und wir bringen unsere Sturmgewehre StG77 rechts neben der Hüfte in Anschlag, gehen grinsend los und passieren beinahe die Feuereröffnungsgrenze als uns der Aufpasser, ein Charge mit Armschleife, unter lautem Rufen stoppt: Halt!, Stop!, seids ihr wahnsinnig, ihr habt noch das K-Gerät angeschraubt, nicht schiessen!! - tatsächlich, wie blöde schauen wir an den Läufen dieser kinetischen Spielzeuge, der Hi-Tech- Schiessprügel runter, wirklich wahr!, beide haben wir das fett und rot prangende Übungsmunitions-Gerät am Laufende abzuschrauben vergessen, und hätten wir jetzt abgedrückt, wären aufs K-Gerät, welches den Lauf an der Mündung massiv zugeschraubt verstopft, Kugeln, harte Metallprojektile, aufgetroffen, es hätte uns diese Plastikwaffen in den Händen zerrissen und wer weiss was noch alles, so jedenfalls werden wir jetzt vergattert, und sind beide sehr geschockt, verdattert, nachdenklich, aber meine Zimmerkumpels und viele andere finden das natürlich sehr witzig, die ganze Blamage haben sie gesehen, zum Schiessen!, und es wird eine dieser guten Stories, wie sie unser Geschichtenerzähler Alleso nicht müde wird zu repetieren. Eigenartig wie so viele Geschichten beim Bundesheer entstehen, auch die andere Story über Heini-Kamerad Hinterberger, mit dem ich diese Schiessübung fast verbockt hätte: Im letzten Monat mit scharfer Munition, der Aufseher zu ihm, er befragt ihn dienstlich, an der burgenländischen Grenze, wir sind Grenzschutz: Hinterberger, wo ist ihre Waffe? - Hinterberger: Waffe, äh, äh, vergessen bei Zelt. Ich laufe und hole, äh. - Und ab!, toll vor Aufregung, seine kleiner werdenden Gestalt hüpfte wie in einem Comicsfilm mit erhobenen Armen den Patroullien- Weg zurück. Tja, aufmerksam war der Aufseher, mein erster Zimmerkommandant während der Grundausbildung, gleich am Anfang in der einmonatigen Bewährungszeit, jung, spitzohrig, klein und behende, die Schifahrer-Partie, tat sich ein wenig schwer, sich auf die Kleiderordnung im Spind und Bett zu besinnen die er uns beizubringen hatte, aber von meiner Geschwindigkeit in Waffe- Zerlegen zollte er Tribut, und wie hat er gleich nach der Grundausbildung, zu Beginn unser aller endgültigen Einteilung gescherzt: Der Jäger!, haha, wenn der so heisst dann muss der auf jeden Fall zu uns, den Jägern! - Sobesagter Jäger, R. war ein Hüne, Rotschopf, Autospengler, mit einer Maturantin zusammen, aber nach dem Bundesheer geht es mit ihm bergab so fürchtete ich immer, wenn ich ihn danach wiedersah. Pauls Humor beflügelt meine rhetorische Kraft beim Erzählen der Geschichte, ich töne voll und laut. Währenddessen waren Dany und Gwy gekommen. - Der Meisterspieler!, - rufe ich, Paul vorstellend: Meine ersten Lehrer in Französisch! Wir haben zusammen Baudelaire gelesen! - Ich frage noch einige Male nach Gwys Namen, denn ich sehe ihn zum ersten Mal, glaub ich. Dany bittet, irgendwie fast geziert und feierlich, ob ich nicht das "wie letztes Mal, das Gedicht" (es war damals allerdings eine grosse Runde versammelt) geben könnte. Ich stimme sofort, erfreut, den Albatros an, ich lasse keine Gelegenheit aus öffentlich zu deklamieren, und bin zügig in der ersten Strophe als die Sprechanlage erneut erklingt. Ich springe in drei Sprüngen hin, schaffe mit touché die Entsperre, Hörer-ab-drück-den-Knopf TÄÄ!-, Tschungg!, macht die Pforte, drei Hüpfer zurück auf Zehnspitzen Slalom zwischen Flaschen und Tand, die ca. 8 Meter und ich winde mich feierlich hinter der Verbindungstür vor mein Publikum, das Gedicht fortsetzend, wieder leiser. Sehr un/bewusst bin ich mir, dass ich heute alles zu geben habe und meine körperliche Geschicklichkeit nicht auszusparen ist. Der Drive von Paul während des Französisch Lernens bereitet den tagelangen seinen Bruders Rob vor, unterstützt ihn, er ist die Co-Camera mit den Langarmen, wie er scherzt, der Naturbursche. Symbon, Silmaribon, Simon le bon war gekommen, Wahl- Ostblocker. Damit sind die metaphysichen Franzosen fürs erste ziemlich komplet, wir feiern die Ausländer, versichern uns des gegenseitigen Auslands. Das Gedicht ist nicht lang, vier Strophen, und bin am Ende ohne allzugrosse Schnitzer. Bei "Le poete, est semblable a prince des nuees" fahre ich ein letztes mal triumphierend auf, mit lauter Stimme beklage ich das Schicksal der verfluchten Poesie des 19 Jahrhunderts, der Maudit Poetes der Stupid Ages, alle strahlen ob dieses lauten, lachend vorgetragenen Laments. Simon hat das rote T-Shirt an, das russische T-Shirt, das Ehren-T-Shirt, das er auch das letzte mal getragen hat. Die weissen Buchstaben wirken wie Space Invaders. Mein Humor ist fast bekett´sch: Sehr schnell getragen, nichtig. Fast wichtig. Ich muss schmunzeln bei meinen Lobeshymnen auf die Freunde. (Simon hat mir auch Tage zuvor mal seine unregelmässig ausgeschnittene quadratische Haareinbuchtung gezeigt, mit einem Kopfvorbeugen. Ich hab sie entdeckt und beginne mit den Interface-Scherzen, den Biochips. Er lächelt verlegen zur Seite. Le Bon: Weisst du eigentlich, was du uns antust? - Ich: Ja, aber ich will so schnell wie möglich damit aufhören. - Le Bon lächelnd, schmunzelnd: Rauchst du noch? - Ich: Nur zu Filmen, oder wenn ich in eine Ausstellung gehe. - Er scheints zu schlucken.) (Politik Ausland beschreiben) Es ist, als ob ich meine Freunde und Bekannten bitte, performativ einen Nagualzug a la Castaneda, zu bilden, alte und neue Zauberer offen vereint, und sie ihrerseits, in ihrer Güte, und weil sie ästhetisches Gespühr und Muse haben, und gerne an interessanten (o wiener!) Aktionen partizipieren, nehmen daran teil.
Die Franzosen gehen, Paul bleibt und Marcus trifft ein. Gross reden wir über Zukunftsvisionen im elektronischen Spielebereich. Und über die Zukunft des Lebens, des menschlichen. Wir beginnen uns um die Sexualität unseres Momentan-Schülers Pauls zu sorgen, er ist so negativ was die Frauen angeht, ich für meinen Teil verstehe ihn ja, er hat anderes im Kopf, ich verstehe gut, auch ich hatte mit 18 noch andere intensive Anhaftungen ausser dem zukünftigen Familienalbum und den momentanen Freuden der Ficker, bei aller Anziehung. Aber heute beginnt die Schaustellzeit und so nehmen wir ihn in eine unsichtbare Zange und prüfen ihn auf seine Standhaftigkeit in der Heterosexualität. - Universale Liebe!, schreit Marcus: Sozialismus jetzt, da!, - wir brüllen mit. Und trinken ein Bierchen.
Jani trifft ein, und wie ein Chochlik, Begleiter der Feen, umtanze ich Jani Halbelve beim reinbegleiten, entzückend, nicht genug kann ich über ihr französisches Hippiejäckchen staunen, wie aus der Aufklärung Milos Formans scheint sie herausgesprungen, ganz weiss und cremefarben und so märchenhaft wirkt dazu ihr eine spur dunkler Teint, um die Schulter hat sie ein weisses Puma Täschchen das wie eine grosse Mondsichel gebogen ist, und ein wahrlich filigranes Hemdchen, sodass man ihren gesamten jugendlichen Bauch mit dem fest verstopften kleinen Loch sehen kann, ihr Hosenbund ist tief und eng geschnürt, und da sie klein ist wirken ihre Hüften um so breiter. Wir wundern uns laut über ihre roten Nomadenschühchen, mit einem golden- orientalisch bedruckten Muster, die Spitze scheint sich stilisiert zu verjüngen und aufgebogen zu sein. Wir setzen uns zur Entspannung von all den flimmernden Monitoren in den Pausensaal. Wie aus Tradition mittlerweile setzt sich Jani zu mir, während Paul und Marcus vis-avis von uns Platz nehmen. Wir sind alle in Gedanken, Jani wirkt ein wenig müde, wie niedergeschlagen, sie kauert sich zusammen, hat sie endlich den Weg zu uns geschafft nur um wie üblich von meinen ohnmächtigen Augen verschlungen zu werden, traurig lächelt sie, wenn wir sie ansprechen, ganz nahe sitzen wir vier uns. Und ich fasse mir ein Herz, es ist heute Schaustellzeit, und einem tiefen Verlangen folgend umfasse ich mit der Linke ohne Überleitung Janis Oberschenkel, sie sitzt im Schneidersitz auf dem Polster, und mit einem Ruck verschwindet ihre gelangweilte Miene, ihr Oberkörper strafft sich, wir lächeln alle irgendwo ins nirgendwo. Lange lasse ich meine Hand liegen, drücke leicht ihr junges Fleisch, ich fahre ihren Schenkel hinunter, nach innen, unser Atemzug verschnellert sich und ich denke in Richtung der Jungs: Schau Paul, wie schön, wie süüss sie ist, wie wir alle zueinander wollen, - Lange schon besteht diese zarte Sympathie zwischen ihr und mir. Ich schmiege meinen Kopf an ihre Schulter, werde immer unverschämter und lande mit dem Kopf gegen ihre Seite scheuernd auf ihrem Schoss, schaue von unten die beiden an, er und Marcus fangen aneinander gelehnt ihre Köpfe zu verdrehen an, ein amüsiertes, engelhaftes Lächeln auf den Lippen. Sehr glücklich schaut Jani, meinen Kopf in den Händen, auf mich herab. Marcus ist Feuer und Flamme von meiner überzeugenden Leistung. Dabei war es nur ein herzhafter Kampf auf bekanntem Terrain gewesen, ich tappte nicht im Unbekannten los, es war schliesslich Jani Elven-Ohr, ein spitzes Ohr hat sie, am anderen hängt ein kleines Ringchen, sie ist unsere Mitspielerin und Freundin, Labsal meiner ästhetischen Seele, Jani die Wandlungskünstlerin, oft gefallt mir ihr Stil gar nicht so sehr, doch heute sieht sie aus wie alleine zu meiner Ergötzung herausgeputzt, immer sexy, ein ungeheuer süsses Versprechen, ich liebe, habe sie immer geliebt, die Hippieaufmachung der Mädels und auch immer an der bürgerlichen Fasson meiner Freundinnen gelitten, niemals habe ich mich einer Frau genährt deren Kleidungsstil schrill und aufregend war, Isis ausgenommen, aber die war eher hip, als ob Anschauung von Menschen und Realisation von menschlicher Nähe zwei gänzlich verschiedene Dinge wären. Nachdem wir so unsere Spässe getrieben hatten gingen wir wieder hinüber zum Arbeiten, Jani ist nur auf einen Sprung vorbeigekommen und schon wieder am Gehen, und Marcus verabschiedete sich von ihr überschwenglich, er meldete sich auf alle Fälle schon bei ihr an wie es schien, und ich schäme mich deswegen ein wenig, und dass ich sie nicht für mich beanspruchen will, als ob ich sie unserem schemenhaften Programm gemäss der Allgemeinheit opfere, und ich kann ihr beim Abschied kaum in die Augen sehen, ärgere mich über die schrille Taktlosigkeit von Marcus, dieses ganze subtile Spiel will schliesslich erst mal gewebt werden, ein Werk von Stunden kann innerhalb von Sekunden zerplatzen, - denke ich, und im Vorzimmer umschwirre ich sie eifrig, was schaut doch ihr Hintern von hinten verführerisch aus, lächle entschuldigend, sie gross anschauend, traurig, verliebt, einen Augenblick wirkt sie den Tränen nahe, aber an der Tür schaut sie mit einem tapferen Lächeln tadelnd zu mir auf, bussi-bussi. Ich stottere eine kurze Abschiedsformel zusammen, sehr leise, wie schön es war dass sie da war, uns ihrer versichert hat, als Geschwister. Anständiges Kriegerwesen. Paul jedenfalls hat viel zu lachen, königlich amüsiert er sich über uns Gockel, wie wir nachher kurz düster und planlos um uns schauen.
Zum Glück kommen recht bald Rob und M. Blanc. Wir sprechen übers Filmemachen. Rob bietet sich für eine Rolle in Marcus Party- Klamauk an. - Rob hat dich von der ersten Minute an favoritisiert, scherze ich zu Marcus. - Das stimmt! Marcus! Das stimmt, du warst immer meine erste Wahl, hahaha! - lacht er, sie hatten schon vorher etwas getrunken. Fleissig trinken wir weiter, Paul holt weitere Biere vom Türken.
POSTAL 2
Nachdem Jö und Bibi eingetroffen sind bekommen unsere Gespräche eine deutliche Science Fiction -Note, die INFINITY TIME nährte sich leisen Schrittes. Bibi in rot/grün, dazu einene grünen Rucksack mit einem roten, canadischen Ahornblatt-Icon-Sticker, sie ist eine Wucht, still und lächelnd, erdig, müde, und wohlwollend. Wir Archäologen unterschiedlicher Provinienz verstehen uns beinahe wortlos. Aber mit Jü palavere ich viel den Abend, er strahlt bis ins knisterhafte, seine tragende Farbe ist gräulich, - Typisch Indifferenzmeister, denke ich, er erinnert an M.Blanc, aber dünkler, und die Haare stehen ab wie unter Strom, er wirkt sehr street-uniform. Mir kommt er wunderschön vor, diesmal überzeugt mich seine Ästhetik restlos, er strahlt aurenhaft und rund, glücklich, und entspannt wie immer. Er dichtet Welt hier, geckt, quackt, heute. Ich kontrolliere zwischendurch seinen Bauch, weicher als M.Blancs, aber ähnlich. - Voila! Der Mann mit den vielen Gehirnen! Und wer könnte sonst in den Weltraum fliegen, wenn nicht Marcus, der Mann mit den vielen Gehirnen? (und am nächsten Tag zeige ich Ibot in Anlehnung daran die Szene in Adams´ Hitchhicker, Per Anhalter durch die Galaxis, dem Comicsheft: Zaphod ´Zweikopf´ Beeblebrox, blonder Stroh-Präsident der Galaxis, auf dem Weg die Herz aus Gold zu stehlen) , - stelle ich Marcus erneut vor. Er setzt einen darauf: 'Unter Wasser! Auch unter Wasser gehts! In die Was-ser-stä-dte!' - mich verbessernd, und ein grosser, grosser Graben, ein unterirdischer, ein zu einer Schale gewölbter Bergfuss unter Wasser zeigt sich augenblicklich vor meinem geistigen Auge, der Gestalt- Einbildungskraft, das Bild ist grün, schleimig, nach oben zu schwarz werdend, an der Senke, regelrecht dranklebend, befinden sich Stadtkuppel-Augen dicht nebeneinander gedrängt wie einfarbige, glasschimmernde Korallenkugeln, oder eher wie pickiger, spärlicher Fischlaich, es war als ob sich mir simultan zum Gespräch und Thema einige farbige Bilder vorstellten, wie das denn aussehen könnte, was Marcus da in der Einbildungskraft beziehungsweise Erinnerung zum klingen brachte. Dann geht es wieder ab in den Weltraum. Ich schaltete dazu auch das sich im zweiten Slot des NintendoDS Handheldgeräts befindliche Wing Commander Prophecy auf, die Titelmusic untermalt unsere Gespräche, während ich unter dem starken Eindruck des wohlgerundeten Raumschiffs am kleinen Titelscreen erlebe dass Rob, er und M.Blanc sind dem Geplapper skeptisch bis herablassend gefolgt, sich schliesslich, die Planeten des Solarsystems durchkonjugierend, zu einer Zwischenlösung begibt: 'Der Mars! Marcus, der Mars?' - Damit, darauf, kann er anscheinend leben, und Marcus neigt, ihm eindringlich in die Augen schauend, auf seine pastorale Weise, immer bereit die Messe lachend aufzulösen, den Kopf, während ich plötzlich in einem neuen geistigen Bild, der ästhetischen Vision des schwarz-transparenten 1m langen Modells eines langen Raumschiffs, das ein wenig dem neuen schiffsähnlichen Teils des T-Systems Gebäudekomplexes, ich wars extra am Rennweg besichtigen, und es hing auch als Kalender auf mattis Klo, befangen war, das vor meinem geistigen Auge in dem gestreckten, von uns 7 gebildeten Hufeisen ungefähr in dem Eckzwischenraum schwebte, der links von dem noch am Ende der PC-Couch sitzenden Marcus, rechts von Robert begrenzt wurde, welcher auf der Lehne der TV-Bildschirmcouch sass, was seine Grösse noch unterstrich. Dauernd fällt mir die von mir in das Titelbild hineingelegte Kleinheit des Schiffes auf, geht mir durch den Kopf, ist es nur ein kleiner Jäger? Erst später am Cover der Anleitung ist das eindeutig und relativ grosse Trägerschiff tröstlich sichtbar erkennbar. Joh hat es Tage darauf rätselnd angeschaut. Und Stefan2 hat mich überhaupt erst später erinnert, dass anscheinend Bilder im Kopf mehr sind als vorgestellt, dass man darüber sprechen kann, dann erst fielen mir die gerade geschauten Konstrukte wieder ein, wie Untermalungen der Sprachthemen waren sie, Skizzen im Geiste, schöne Hologramme, eh 3D, er schenkte mir das Mozartrequiem, zu seinen Fabulierungen und Orakeln die ich erst später verstand, dazu, wir sprachen davon, Ton und Bild, Architektur und Litaratur, Falco, und Mozarts Lachen. Und was ist, wenn bei einer Diaspora, einer Verstreuung auf die Planeten, die Farben, die Coleurs weggehen werden? - Aber es wird ja alles bewahrt, argumentiere ich, wenn wir reich genug dafür sind. Ich war nie mehr für Katastrophen, seit ich begonnen habe ernsthaft zu scherzen. Früher allerdings, da gab es einige Mad Max Phantasien, schöne lange Tagträume, im Prater, oder Unterdachs, von Waffen, von Autos und Buggies, auf der Suche nach Kampfgefährten, in einer zusammen gebrochenen Zivilisation. Pah, die Ressourcenknappheit. Ich bin ein Hirte, unter den Wölfen tobend. Was man ausheben kann hebt man halt aus, aber doch nicht die Farben, Die Farben, die Differenzen, 16.7 Millionen Farbunterschiede kann eine x- beliebige Grafik- Engine moderner Komputer darstellen! Ich erwähne auch das Buch der Zwei Besonderen SiFi-Bücher aus meiner Kindheit, beide sind futsch, Hardcover metallic futuristisch, gute Edition, wahrscheinlich sind sie in irgendeinem von Wern besuchten UNO-Auslandseinsatzland verloren gegangen, das eine besteht aus einer, zwei zusammenhängenden Geschichten über Musikinsektoidenroboter, und Kampfmaschinen aus seriell geschalteten Menschengehirnen in grossen, gehenden insektoiden Panzern. Das andere handelt von der Diaspora (das war die erste Science Fiction Diaspora vor Dune, für mich) in den Weltraum, ins Grosse und Kleine, und ich erwähne die Geschichte wo irgendwelche Neuen Pioniere, Edle, durch die Atmosphäre fahrend diese durchstossen, in den Weltraum hinaus. Aber alles spielt sich in einem Teich ab. Genauer waren es natürlich mehrere Wasserlacken auf einem enorm grossen Planeten. Denn die Sternensäher hatten ihren Genkoffer beim Crash retten können, aber nicht die Proben und so bastelten das Wasserleben vor Ort notdürftig und gezwungenermassen unter zeitdruck zusammen, und verewigten ihre Gene gleich obendrein. Süss, nur kann es keine Menschen geben, die Protozeuten- Grösse haben, technisch gesehen, es war ein Märchenbuch für Kinder, wie der Knopfdruck-Offizier, den ich als Student las. Doch im Grunde werde ich nur getrieben, von Paul und seinem Bruder Rob, Mann der Tat, und von den Cyberpun´x, den Neuen Kräften. Ich renne buchstäblich hinter allem her. Und als Marcus im drüberen Raum meint, er will den Perchtenfilm seines Freundes zusammen mit einem Spiel verpackt haben komm ich nicht ganz mit: Was, du willst das Spiel auf dem DVD-Player spielen?, - lache ich ihn aus. Jü lacht notgedrungen mit, dann erklärt er solange herum bis ich mitkomme: Ahaa, Der das Film/Spiel, auf PC und DVD-Player! -Marcus: Wie geht das? - Ich: Weil die Systeme offen sind. - Wenn ich mal mitkomme kann ich auch mitspielen, aber erklären kann ich allemal gut, als Sohn der mütterlichen Litaraturmaschinen -Linie. Ich lege Marcus zeremonienhaft das Proto - Handtuch (meine matt grünblau leuchtende Kinderdecke) um, das ich eben erspäht habe, unter dem ganzen Gerümpel, a la Douglas, nie ohne eines, in der leeren Weite. Und Marcus treibt: breen-nen, bren-nen, Poost-aal-2ee! - Auch Ji wills. Langsam assoziere ichs mit Unserem Spiel überhaupt. So frei! Scheiben einschlagen. brr.
POSTAL Mittelteil Marcus drängt weiter auf die Installation von Postal auf dem zweiten PC. Die Daten sind schnell gefunden denn ich spiele mich extra kunstvoll um Jö, der mit Bi dicht hinter mir sitzt zu beindrucken. Er kennt sich sehr gut aus und ich will ihn sichtlich von uns einnehmen. Es werden die Bier getrunken und ich zeige nebenbei das Szenenskript für meine paganische Hochzeit: Da ich nicht sehr einfallsreich bin würde ich die Zeremonie am liebsten von Künstlern gestalten lassen. Sonst mixe ich wahrscheinlich nur alle möglichen Traditionen zusammen. - ich mache ein künstlich verlegenes Gesicht. Paul gibt einige Vorschläge, auf einer Insel, einem Flugzeug, letzteres lehne ich sofort ab: Da sieh man ja nichts. - Marcus, der das Skript am besten kennt ist von der Idee einer Hochzeit mit mehreren Frauen sichtlich angetan. Es entspricht seinem gewünschten Lebenswandel. Er macht Bibi, in deren Nahe er sitzt schöne Augen. Sie reagiert genauso genervt wie ihr Freund. Ich mache eine böse Miene und denke: Aber Marcus, wie soll das so gehen, du nervst, es ist doch hoffentlich ausgeschlossen, dass Kommunenzustände einreissen, selbst wenn Freiwilligkeit das kleinste der Probleme wäre, oder?; es gibt keine Probleme, und ich weiss nicht, von wo her welche auftauchen sollten. Rob klärt die Lage. Gross und breit stellt er seine 100 Kilo dicht zu Marcus und ruft in meine Richtung: Und Janus, wenn Marcus mit den Mädchen Probleme macht sei sicher, dass er dann mit mir ein Problem hat!! hahahahaha!- ich lächle entschuldigend, Rob hat mit der Inbrunst eines lachenden Dionysos gesprochen. - Und Marcus! Marcus, - setzt er fort: - sei dir sicher wenn ich nicht da bin dann ist Janus 5 Schritte hintermir! Hahaha - Wir brüllen vor Lachen, Marcus grosse Gestalt hängt wie leicht zusammengesackt neben dem gleich riesigen, aber ungleich massigeren Rob. Er schaut mich un/schuldbewusst, wenn auch wie ein ertappter Schelm an. - Du weisst doch Janus, sagt Rob entschuldigend, ich hab doch so Eine Zuhause - Was redest du da für einen Unsinn, antworte ich, es entfährt mir so sanft wie nur eben möglich. Ich grinse, was der sich für Sorgen machte, ich kannte ja ihr Verhältnis, wie sollte er auch ruhig sein, seine Süsse ist ja wirklich zu entzücken, eine verträumte Zeichnerin aus den Tigerländern. Vielleicht sollte man geil nicht mit geil verwechseln?
POSTAL Crescendo: "Postal!" - rief Marcus immer wieder zwischendurch. "Du wolltest Postal suchen!" - Das Spiel installiert sich im ganzen recht schnell, obwohl wir unterdessen viel scherzen. Ich erzähle, vor allem vor Jö, den ursächlichen Plot und die ersten Hindernisse, und mit einem belustigten Aufblitzen seiner Augen richtet sich sein Körper auf den Bildschirm aus, seine gelangweilte Miene schwindet. Unsere Begeisterung, meine Flammende Rede riss ihn mit. Bibi lächelt lustig. Wir starten gleich durch. In Wirklichkeit hält mich selbst Postal 2 nicht vom herumlangweilen ab. Es ist beinahe so streng wie ein klassisches Drama aufgebaut, abgeschlossen in Zeit und Raum: 5 Tage in einer von Hügeln eingefassten Kleinstadt. Ich kann mich noch gut an meine Erfahrungen mit dem Spiel erinnern. Irre lustig! Matti zeigte mir die Schmankerln, Leute anpissen, anzünden, sogar die Elephanten im Zoo. Ich selbst spielte als ob es ums Leben ginge. Gleich zum Schluss des ersten Tages (Levels, Abschnitts) des Spiel, es war in die 5 Tage zu einer Woche eingeteilt, im sich selbstzitierenden Firmensitz der Spieleentwickler, welcher von der Selbsthilfegruppe 'PARENTS AGAINST VIDEOGAMES', Videospielmuffel-Eltern, belagert und gestürmt wird, versuchte ich aus diesem 'endlevel'-Gebäude ohne Gewaltanwendung zu entkommen, hoffend, das die Eltern und diese Spieleentwickler, bis an die Zähne bewaffnet, den letzten Gehaltsscheck der Firma hatte ich ja schon, ihn abzuholen war der Spiel-Trigger, der Auslöser für das folgende Endlevel- Massaker, und ich hoffte also, dass sie genug mit sich selbst beschäftigt waren um mir genügend Zeit zur Orientierung, Austattung und Flucht zu verschaffen. Nun, es ist schliesslich ein EGO-Shooter und spätestens am zweiten Abend, in der brennenden Bibliothek, rannte ich und sprang lediglich noch verbissen und frustriert, zwischen den unzähligen Neuanfängen, im Zigzag, neben und durch die brennenden Bücher, mein Herz brannte mit diesen solcherart vergewaltigten Büchern, literarisch gesprochen, es war sehr lustig. Und neben den verschworenen Eltern waren neue Feinde aufgetaucht. Ich hatte sowieso, als Weltstädter, der eher in Saloons und Festsälen lebte, unter Dach jedenfalls, nie eine besonders gut entwickelte Raumorientierung besessen, und der dritte Tag, die Einkaufs-Mall am Mittwoch, stellte mein Orientierungsvermögen auf eine wirklich harte Probe. Die Polizisten griffen mich dort noch zusätzlich an, das wollte ich nicht, sie sollten eigentlich Frieden geben, ich hatte genug Feinde. Und zu wenig energy. Ich kann bei diesen Egoshootern, wo es rein ums schiessen geht, freilich, dieses Spiel war mit Adventure- Elementen angereichert, mit kleinen Rätseln neben der Ballerei, trotzdem schlecht entspannt spielen, ich mochte eigentlich lieber Echtzeitstrategiekämp |